Montag, 20. Februar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Die Kraftprobe (Akira 15)

Cover: Die Kraftprobe
Akira 15
Verlag: Carlsen Comics
Es beginnt interessant zu werden. Im Grunde ist der Fokus dieses Bandes ganz und gar auf Tetsuo angesetzt. Denn während der ehemalige Herrschaftssitz des Reiches von den Wellen des verrücktspielenden Meeres überspült wird haben sich seine Anhänger ins Stadion zurückgezogen und hausen in dessen Trümmern. Das Problem bei der ganzen Sache ist nur: Jeder hat vor Tetsuo mitlterweile Angst, weil dieser durchzudrehen droht.
Und das ist genau der Punkt, der eigentlich die komplette Handlung dieses Bandes bestimmt: Tetsuo droht die Kontrolle zu verlieren, weil „die Kraft“ ihn zu korrumpieren und auszufüllen beginnt. (Und das hat zur Folge, das er immer weiter auf körperlicher Ebene mutiert.)
Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt steuern mehrere Gruppen in Richtung des Stadions, welche mit unterschiedlichen Mitteln entweder Akira und/oder Tetsuo als Ziel haben. (Und bei denen nicht vollständig klar ist, was sie genau am Ende planen.) Der Colonel mit der Sol-Waffe hat offen gesagt, dass er Tetsuo für das größere Wohl vernichten will. Kaneda und seine Verbündeten haben in ihrer heißblütigen Art einfach nur Rache im Sinn. Und dann sind da noch die Soldaten aus Amerika, die jetzt endlich durch Neo-Tokyos Ruinen streifen und dabei die größten Probleme, welche das Reich ins Spiel gebracht hat, erlegen.
Ach ja: Und irgendwo in dem Ganzen Chaos tritt Kei mit einem mal auf und erlebt ihren ersten Testlauf als Medium für den Plan der Greisen.

Man kann eigentlich eines Sagen: In diesem Band kommt es zum bislang ultimativen Machtspiel, was Chaos und Zerstörung angeht. Es wird eine ungeheure Materialschalcht geschlagen, nur um aufzuzeigen, dass alles, was bis hierhin passiert ist, „nur“ ein Vorspiel war um die Kulisse für das zu schaffen, was eigentlich (vermutlich) das „Ziel“ der ganzen Story sein wird. Das Problem bei dieser gesammten Geschichte ist dabei natürlich der überraschende Faktor, dass man nicht so genau weiß, wie alles Enden könnte. Und auf der ästhetischen Ebene versagt das ganze natürlich vollkommen, weil Tetsuos „wandlung“ nicht unbedingt zu den schönsten Anblicken der Comic-Historie gehört.

Fazit

Langsam kommt so etwas wie Sinn in die Geschichte. Spät zwar, aber immerhin. Wer bis hierhin durchgehalten hat, kann endlich bestätigen, dass das Ganze tatsächlich einen Grund hat, so gefeiert zu werden, wie es gerade bei Akira der Fall war.

Dienstag, 14. Februar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Der Beweis der Macht (Akira 14)

Cover: Der Beweis der Macht
Akira 14
Verlag: Carlsen Comics
Und wenn ich beim letzten mal sagte, ich erwarte Puzzlesteine, kommen mit einem mal Puzzlesteine. Nur das sie irgendwie seltsame Formen annehmen.

Tetsuo verursacht auf dem Flugzeugträger ein Heidenchaos mit vielen Verletzten. Das Reich ruft eine gewalltige Versammlung all seiner Bürger zusammen, um den derzeitigen Status des Wankelmuts noch einmal in Mut umzuwandeln. Und Tetsuo eröffnet einen weiteren Beweis seiner Fähigkeiten, indem er den Mond beinahe zerstört. Zeitgleich versuchen Kaneda, die Joker und Kai die Einzelteile aus dem Ubahn-Schacht zu bergen... und werden von den verrückten Flutwellen heimgesucht.
In der Zwischenzeit eröffnen Miyako und die beiden greisen Kinder Kei einen Plan, der ihre medialen Fähigkeiten genauso einschließt wie Tetsuos Fähigkeiten. Und zum ersten mal wird offenbahrt, was Akira letzten Endes auf einer spirituellen Ebene darstellt.
Und trotzdem bleibt sehr vieles auf eben genau der Ebene von ständiger Verrohung und Gewaltdarstellung, wie es bis dahin war.

Und jetzt kommt der zentrale Punkt: Irgendwo in den letzten Rezensionen zu den Vergangenen Bänden habe ich eine Vermutung geschrieben, dass es hier um Personen gibt, die zum passiven Spielball von „höheren Mächten“ werden, und irgendwie nur noch reagieren können. Es spricht einiges dafür, das ich mit dieser Vermutung vermutlich auf lange Sicht recht behalten werde. (Naja „auf lange Sicht“, was halt bei den nur noch wenigen Augaben dieser Reihe eben möglich ist.)
Hier kommt jetzt zum ersten mal ein neues Element mit herein, das bei der ganzen bisherigen Vergötterungsgeschichte rund um Akira zwar ebenfalls mit enthalten war, aber eben nicht in dieser Hinsicht, dass es von Bedeutung war: Spiritualität wird mit einem Mal unglaublich bedeutsam. Der Grund warum die greisen Kinder ihre Medikamente nehmen wird genauso begründet wie der Grund, warum Miyako Tetsuo dazu geraten hat, keine mehr zu nehmen. Alle Greisen haben anscheinend ein auf ihrer Ebene gewagtes Spiel angestoßen, bei dem jetzt Kei den letzten, verbliebenen Schlüssel ausmachte. Und das hat zur Folge, das Kei einen speziellen Ritus durchzieht, der sie für das was folgt präparieren soll. (Was das sein wird ist natürlich unklar. Aber so wie die Story bis hierhin aufgebaut wurde kann man davon ausgehen, das noch sehr viel mehr Elend, Leid, Chaos und Zerstörung in Hochkomprimierter Form erzählt werden, um anschließend in typisch japanischer Manier mit einem Heldenopfer eine Art weiterleben zu ermöglichen.)

Fazit

Der Band rettet noch nichts. Er zeigt nur eine Möglichkeit auf, um aus der großen Verwirrung herauszukommen, welche die Geschichte bis hierhin erzeugt hat. Die Qualität ist bis dahin geblieben. Es werden nur andeutungen für Erklärungen geliefert und selbst diese Andeutungen bedeuten am Ende wohl auch nur ein (für das westliche Auge) verwirrendes Bild an. Man muss eindeutig abwarten, ob sich die Storyline noch fängt, aber es scheint so, als würden hier einige Figuren bald einen gemeinsamen Höhepunkt erreichen, an dessem Ende allerdings etwas sehr überraschendes vermutlich stehen wird.

Dienstag, 7. Februar 2017

RPG-Blog-O-Quest #17 – Rollenspielzubehör

Ähm... ich habe gerade das kleine Problem, dass bei mir zwei Artikel in der Mache sind, bei denen ich noch einiges an Rechercheaufwand reinbuttern muss. Außerdem will ich endlich mal meine komplette Sammlung durchrezensieren und beim aktuellen RPG-Karneval fällt mir derzeit noch nichts ein, was eventuell passen könnte. Um diesen Monat trotzdem noch irgendwas rund ums Rollenspiel online stellen zu können, greife ich mal eben die aktuelle Blog-o-Quest auf und stelle mich den Frage des Würfelhelden für Februar.

Welches Rollenspielzubehör hast Du zuletzt gekauft und warum?

Ich kann jetzt nicht genau sagen, was exakt das letzte bei dem Ereignis war. Meine letzten Rollenspiel-Zubehör-Anschaffungen stammen nämlich allesamt von der Spiel letzten Jahres.
Wenn ich das also grob zusammenfasse: Das waren die Würfel zum Doctor Who Rollenspiel (weil Würfel und weil Doctor Who-Rollenspiel steht in meinem Regal und so. Projekt 1000 nicht zu vergessen.) Einige Larp-Münzen von Draw Lab und einige Kartenhüllen von UltraPro. Lustigerweise sind diese beiden Anschaffungen für Numenera gewesen. Die Münzen als ein haptischer, aber stabiler Token für die EPs, die Numenera ja ein wenig anders einsetzt, als normale Rollenspiele auf konventioneller Basis. (Und ich das EP-Deck deswegen nicht unbedingt sonderlich toll finde.) Und die Karten-Hüllen deswegen, weil Numenera mit so unglaublich vielen Karten ausgeliefert worden ist. (Und ich gerne eine kleine Schutzfunktion für eben diese Karten nutzen würde. Immerhin ist dann doch recht fragwürdig, ob man einiges davon nochmal in absehbarer Zukunft als Ersatzteile kaufen kann.)

Hast Du schonmal Zubehör gebastelt (Beweisfotos wären toll) und dieses auch eingesetzt?

Ähm... jetzt würde ich gerne wissen, wie weit diese Frage geht. Handout habe ich aufgrund meiner geringen Meistererfahrung natürlich nicht angefertigt. (Auch wenn ich schon ein paar SLs erleben durfte, die da einiges an Zeit hineingesteckt haben. Oder halt, um ein wenig Miniumgebung anzufertigen.) Aber wie ich im Ramen des Vlogtaculums schon mal erzählt habe, habe ich schon mal eine Bandaufnahme als Handout durchgeführt, die fürs Vampire-Live genutzt wurde.

Planst Du derzeit weitere Käufe und/oder Basteleien?

Ja, Würfel. Die Eintausend nicht noch nicht voll. (Noch lange nicht.) Ansonsten: Eventuell vergrößere ich die EP-Münzen für Numenera von der Anzahl her nochmal ein wenig. Aber da sind wirklich keine konkreten Pläne bisher, oder auch nur Notwendigkeiten. (Und wir wollen das Ganze ja nicht übertreiben.) Inndirekt könnte es aber sein, dass ich für meine Online-Geschichten jetzt in Absehbarer Zukunft ein wenig neue Ausrüstung auf der Hardware-Ebene anschaffen muss.

Hast Du Battlemap-Erfahrungen?

Ja, im Zusammenhang mit D&D 3.5... jeglicher Miniatureneinsatz beim Rollenspiel langweilt mich zu tode.

Was hälst Du von Token, Miniaturen, TriFolds, Countern. Pöppeln und was bevorzugst Du ggf.?

Wie gesagt: Es langweilt mich zu tode. ;)

Montag, 6. Februar 2017

Rezension: China Mieville – Kraken

Cover: China Mieville
Kraken
Verlag:PAN Books
Die Geschichte des Buches Kraken dreht sich um Billy Harrow, einem Mitarbeiter des British Museum of Natural History in London. Der Mann ist ein besonders Fähiger Präparator, der eine ungewöhnliche Begabung hegt, die Entsprechenden Ausstellungsstücke in Formaldehyd zu konservieren, so dass sie ungewöhnlich beeindruckend in ihren Tanks wirken. Außerdem hegt er seinen Arbeitskollegen gegenüber den Scherz, dass er der Prototyp des ersten Retortenbabys sein. Der Mensch, der noch im stillen Kämmerlein künstlich befruchtet wurde, ehe man mit einem anderen Baby an die Öffentlichkeit ging.
Eines der besonderen Schmuckstücke, die Billy selbst Präpariert hat, ist ein Riesenkalmar, der zeitgleich so etwas wie das besonders touristenwirksame Puplikumsmagnete der Sammlung des Darwin Centers. Der Tank mit diesem Architeuthis dux steht im selben Raum wie die wissenschaftlich natürlich deutlich bemerkenswertere Sammlung an Präparaten, die Darwin von seiner Expedition mit der Beagle mitgebracht hatte, jedoch kriegt diese selbstverständlich deutlich weniger Aufmerksamkeit, als der Riesenkalmar. Während einer seiner üblichen Führung entdeckt billy dann, dass ausgerechnet dieser spezielle Tank mit dem riesigen Tintenfisch unverständlicherweise verschwunden ist.
Dieses Ereignis ruft die FSRC (Fundamentalist and Sect-Related Crimes Unit) der Metropolitan Police auf den Plan, welche seit der großen Milleniums-Panik rund um das Jahr 2000 auf dem Plan steht und seitdem abstruse Weltuntergangskulte untersucht und diesen auch noch irgendwas entgegenstellen will. Diese Polizeieinheit, bestehend aus einem normalem Bullen, einer Frau mit ungewöhnlichen Begabungen und einem Profiler, der der Fähigkeit zu Glauben nachtrauert, stoßen Billy eher unbeabsichtig in eine eher seltsame Richtung und ehe er sich versieht ist er mitten drin in einem Krieg einer Art okkultem Untergrunds voller abstruser Weltuntergangssekten, Stadtmagiern, jahrhundertealten Killern und lebendigen Tättoos, die allesamt ein Ziel haben: Des verschwundenen Riesenkalmars habhaft werden, um die jeweils eigene Version einer Apocalypse in die Tat umzusetzen. Mit anderen Worten: Jeder will die Welt brennen sehen. Nur jeweils aus einem anderen Grund.

Mievilles Geschichten als durchgeknallt zu bezeichnen ist nichts neues, das dürfte bereits aus dem Ansatz der „New Weird“-Zugehörigkeit sich ergeben. Das ist letzten Endes auch das, was diesen sehr stark an Mysterie-Serien der 90er erinnernden Roman letzten Endes ausmacht:
Wir haben Magier, welche die Stadt London selbst Beschwören, lebendige, perosnifizierte Genius Loki von Museen und anderen öffentlichen Plätzen, lebendige Tattoos, Chaos Nazis, die eine etwas andere Agenda verfogen und dabei näher an den Symboliken dran sind, die ihre Vorbilder uminterpretiert haben, einen lebendingen, personifizierten Ozean, etc. Das alles wird mit der Frage nach religiösen Zielen verknüpft und dabei tielweise auch aufgezeigt, dass glaube nicht zwingen Logisch ist, aber am Ende vermutlich doch irgendwie die Welt verändert. Das ganze arbeitet mit diesem Grundsätzlichen, urbanen Setting, welches London mehr oder weniger darstellt, ohne dabei wirklich zu genau ins Detail zu gehen. Man kann vermutlich einige der Namendlich genannten Plätze tatsächlich auf einer Karte wiederfinden, aber im großen und ganzen bleibt die Geschichte Vage. Schon allein, weil die Ortschaft London eigentlich keine direkte Rolle für die Erzählung an sich spielt. (Sie funktioniert zwar in weiten Teilen aufgrund einiger Gruppen deswegen, aber letzten Endes ist der Urbane Raum da eher das zentrale Augenmerk… ach ja: Ein wenig Plotttwisterei macht die konkrete Lokalisation von London auch noch notwenidg.)
Von daher gibt es eigentlich gar nicht so viel bei der ganzen Sache zu erzählen, was in die eine oder andere Richtung bei einer Bewertung anbelangt: Es ist Mieville, der ienfach mal wieder das gemacht hat, was er am besten kann: Verrückte Ideen zusammenspinnen und dabei am Ende eine gute Geschichte erzählen, die eher ungewöhnlich ist. (Und das macht halt eine Menge Spaß zu lesen.)

Fazit
Ich mag Mievilles Art Geschichten zu erzählen. (Aber da können sich vermutlich bereits einige denken.) Ich kann aber auch verstehen, dass diese Vorgehensweise, die Mievilles Geshcichten letzten Endes ausmacht, anderen Leuten zuwieder ist, weil es sie überfordert, sich auf so etwas gänzlich anderes, jenseits der konvetionellen Symbollogik, einzulassen. Kraken ist daher so ein Buch, dessen Wurzeln man durchaus in den 90ern vermutlich einordnen sollte: Hohe Anteile von Mystery, wenn auch mit ein paar etwas anderen Elementen, als man sie normalerweise bei Mulder und Scully erwartet hätte. Außerdem liegen hierbei eher eindeutig die Underdogs im Fokus, was ebenfalls einen etwas anderen Stil ausmacht. (Es gibt in gewisser Weise zwar viele mächtige Individuen, die gegeneinander Krieg führen, aber selbst diese stehen sich eher gegenseitig im Weg, anstelle miteinander zusammenzuarbeiten.) Von daher ist auch das hier nicht mehr dieses Typische 90er Jahre „alle ziehen an einem Strang“ Gedöhns, was eine funktionierende, große Verschwörung voraussetzt. (Nicht zuletzt deswegen, weil große Gruppen nicht ohne Verräter funktionieren.)
Von daher ist gerade das hier das Schöne: In der Geschichte geht es darum, wie jeglicher Versuch der Geheimhaltung den Bach runter geht. (Und das alles aufgrund zunehmendem Fanatismus auf allen Seiten.)
Von daher bleibt als Qualität auf der Haben-Seite festzuhalten: Die Geschichte sprießt geradezu über vor Ideen, sie ist hochgradig Skuril und dabei gut erzählt. Und sie spielt die ganze Zeit über mit dem Thema, wie eine Weltanschauung in der heutigen Zeit funktionieren kann. (Wobei sie grundsätzlich die abstrusesten Beispiele aufgreift.)
Wobei ich eine Sache noch erwähnen muss: Es ist ja durchaus bekannt, dass Mieville seinen Hintergrund mit der Rollenspielszene hat. Kurioserweise erinnert mich das Thema des Romans Teilweise an die Elemente des Rollenspiels Unknown Armies. Das macht es für mich nur umso spanneder, könnte aber für einige Leute auch weiterhin ein Hinweiß auf eine mögliche Überforderung mit dem Roman-Setting sein.

Alles in Allem aber ein runder, sehr Lesenswerter Mieville mal wieder.

Montag, 30. Januar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Visionen im Untergrund (Akira 13)

Cover: Vision im Untergrund
Akira 13
Verlag: Carlsen Comics
Es gibt zwei gewaltige Erdbeben. (Die aber verhältnismäßig wenig Zerstörung mit sich bringen.) Und das hat zur Folge, dass ein Haufen Wissenschaftler (die im letzten Band zusammen mit ihrem Flugzeugträger eingeführt wurden) unglaublich fasziniert sind. Kaneda und Kai werden von Miyako beauftragt, Kei zu finden und möglichst gesund und munter wieder nach Hause zu bringen. Dafür klauen sie sich ein paar Motorräder vom ehemaligen Anführer der Jokers und bemühen die U-Bahn-Station, wo sie einiges ehemaliges Militär-Zeug finden, aber auch die entsprechende Visionen, die für diesen Band Titelgebend sind.
Ach ja: Kei und der Colonel treffen auf bewaffneten Wiederstand von Anhängern des „Reiches“ und Akira und Tetsuo spielen einfach mal so ein wenig verstecken... oder Verschwinden.

Ja, die Geschichte bleibt seltsam. Allerdings muss man sich wohl wirklich langsam aber sicher der Tatsache stellen, dass die einzelnen Bände eigentlich die jeweilige Gruppendynamiken repräsentieren, wenn ein paar Personen, die einfahc nur jeweils auf sehr unterschiedliche Ziele aus sind und keinerlei Gnade oder gar zivilisiertes Verhalten mehr kennen zum äußersten gehen. (Und dazwischen auch noch zwei Personen mit Götterkomplex und gottähnlicher Fähigkeiten herumtanzen.)

Von daher gehe ich im Moment einfach nur aus, dass das, was mir in den letzten Bänden so seltsam vorkam, eventuell tatsächlich doch Sinn macht, weil jede einzelne Person zwar eine selbstauferlegte Queste in gewisser Weise hat, diese Queste aber aus dem Moment geboren wird, wo vermeidlich niederstehende Individuen von den Ereignissen einfach nur erfasst und daraus dann geritten werden. (Und das bedeutet dann auch, dass die jeweils selbstauferlegten Ziele natürlich jeweils unterbrochen werden können.) Und das Problem für mich als Rezipienten dieses gesammten Stoffes ist dann einfach, dass ich von der Geschichte letzten Endes genauso vor mich hergetrieben werde, ohne das wirklich alles für mich in irgendeiner Weise einsehbar ist. (Das ist zwar eine sehr deutliche Meta-Interpretation des ganzen, macht aber nach ein paar Minuten deutlich mehr Sinn als sich die ganze Zeit vorzukommen, als hätte man hier den Versuch vor sich eine schlechte David-Lynch-Umsetzung in Comic-Form zu verfolgen.) Insofern muss man das Ganze einfach nur abwarten.

Fazit

Die Serie wird mit jedem Band anstrengender zu lesen, weil man gerade eben keine Möglichkeit hat, irgendwas zu finden, an dem man sich orientieren könnte. (Bis auf die Tatsache, dass man sich nirgendwo orientieren kann.) Es wirkt daher so, als würde sehr viel, sehr Chaotisches hier aufgebaut werden, dass eventuell auf lange Sicht ein Gesammtbild ergeben könnte. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann hoffe ich, dass hier wirklich alles wie in eine Art Puzzle langsam und Teilhaft zum Gesamtbild wirklich passend zusammengesetzt wird. Fakt ist jetzt nur, dass so langsam aber sicher diverse Varianten von Elementen neuinterpretiert erneut auftreten um man sich wirklich fragt, was das jetzt schon wieder soll. (Außer das Scheinbar sehr viel über irgendein Bild von Jugend aufgebaut wird.)

Samstag, 28. Januar 2017

R.I.P.: John Hurt

John Hurt, 2015
Manchmal gibt es diese Schauspieler, bei denen man sehr spät und eher zufällig feststellt, wie stark sie einem in der eigenen, cineastischen Historie berührt haben. Bei mir fing es im Grunde genommen in der zehnten oder elften Klasse an. Im Kunstunterricht nahmen wir gerade H.R. Giger durch. (Und wer den Namen Giger sagt muss auch den Filmtitel „Alien“ erwähnen.) Jedenfalls wurde John Hurt damals von einem Facehugger erfasst und durchlitt alle Entwicklungsstadien bis zum Chestbuster, die danach noch übrig blieben. (Was bejanntermaßen nicht all zu viele sind.)
Und von da an war Hurt zwar als ikonische Figur in meinem Kopf zwar verankert, jedoch hatte ich ihn nicht so direkt als Namen abgespeichert. (Und wie das so ist: Irgendwann geht man die Filmografie durch und stellt dann ständig fest „Oh, Gott… den Film kenne ich ja… und den auch… und den...“ Jedenfalls war Hurt unglaublich umtriebig und hatte das große Glück in seiner Karriere immer wieder mal Rollen für sich gewinnen zu können, wo er eindeutig präsent war, mir aber nicht bewusst als dieser Schauspieler auffiel. (Zu viele Gesichter und Namen, die einem andauernd über den Weg laufen.)
Man könnte sagen, dass mein wirkliches Aha-Erlebnis in dem Moment für mich erst 2013 wirklich passierte: Am ersten Weihnachtstag stand ich in der kälte des Abends allein am Bahnhof und wartete auf einen Zug der mich nach Essen bringen sollte. Mein Ziel war es, einen Film zu sehen, der nur in einem einzigen Programmkino in einem erreichbaren Radius laufen sollte. Und das auch nur für eine sehr überschaubare Anzahl von Vorstellungen. Gemeint ist hier natürlich Jim Jarmuschs „Only Lovers Left Alive“. Tom Hiddleston und Tilda Swinton machten einen guten Job, das steht außer Frage. Aber es war dieser alte Mann, der den John Marlowe verkörperte, der dem Film in all seiner Skurilität etwas besonderes gab.
Und nur unwesentlich später haute mir eine DVD dieses Gesicht erneut um die Ohren. (Ich rede hier natürlich von Der Tag des Doktors, also dem 40 Jahre Special der Fernsehserie Doctor Who.)
Es gibt natürlich einige amüsante Anekdoten, wie letzten Endes Hurt die Rolle des War Doctors schmackhaft gemacht wurde. (Unter anderem die, dass er recht schnell festgestellt haben soll, dass er mit nur einem einzigen, sehr kurzem Auftritt zu einem vollwertigen Doctor mutieren würde. Mit eigener Action-Figur und allem.) Aber man muss auch sagen: Gerade diese unglaubliche Präsenz eines scheinbar gebrochenen und verzweifelten Mannes (er ist der Grund, warum die ersten drei Doktoren der neuen Serie von einem Trauma davonlaufen… okay, Tennent war in der Regel auch einfach nur so schlecht wie seine Drehbücher, das kommt da noch hinzu) gab diesem speziellen Stück Fernsehunterhaltung nochmal einen unglaublich eigenen Charme.
Von daher war es eine unglaubliche Überraschung, als das britische Hörspiellabel „Big Finish“ ankündigte, dass sie den War Doctor noch einmal mit Geschichten versorgen würden. Es war mitlerweile Bekannt gewesen, dass John Hurt mit einem Krebsleiden kämpfte. (Und einige Unkenrufer fragten auch, ob es möglich ist, dass der Mann diese Strapaze überhaupt schaffen würde.) Ja, er hatte es geschafft.

Allerdings hat John Hurt wohl jetzt auch endgültig diesen Kampf gegen des Krebs verloren. Es bleibt die Erinnerung an einen großen Schauspieler übrig, den viele mitbekommen haben dürften, ohne ihn unbedingt direkt im Fokus zu haben.

Montag, 23. Januar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Das dritte Phänomen (Akira 12)

Cover: Das dritte Phänomen
Akira 12
Verlag: Carlsen Comics
Um ein „Monty Phyton“-Zitat zu bringen: And noch to something completely different.

Am Anfang des Bandes wird die Schlacht rund um Miyakos Tempel zu einem Ende gebracht. Der Sol-Sattelit wird abgeschossen. Und in dem ganzen Chaos dieser Zerstörung taucht Tetsuo mit einem mal auf, der vom Entzug geritten versucht noch einmal mit Miyako irgendein Gespräch zu beginnen... nur das er mit einem mal ebenfalls in den Sog des Schusses gerät, dadurch eine Art Reise zurück in die Zeit macht und Plötzlich am Anfang des Urknalls Akira begegnet.
Irgendwo in diesem Ganzen Chaos stürzt dann noch Kaneda vom Himmel (der jetzt einige Ausgaben lang nicht gesehen worden ist) und eine seltsame Gruppe von Wissenschaftlern trifft sich auf einem Flugzeugträger, um die Auswirkungen der jetzt mitlerweile drei Phänomene zu untersuchen. (Wobei es Andeutungen gibt, das jedes dieser Phänomene die Geburtsstunde eines eigenen Universums war... nur mit unterschiedlich starker Zerstörungswut.)

Falls hier irgendwo größere Plotstränge sich ansonsten verstecken, dass kann man nur sagen: Technisch gesehen geht die Reise weiter, nachdem alle bekannten, noch lebenden greisen Kinder bei Mutter Miyako zusammengeführt wurden. Dafür werden verschiedene Zweck-Bündnisse wieder einmal geformt und manche Figuren trennen sich einfach wieder einmal vorrübergehend, um einer eigenen Agenda zu folgen. (Auch wenn man sagen kann, dass die Hauptagenda der meisten, wichtigen Protagonisten dieser gesamten Geschichte sich mit dem Wort „Tetsuo“ zusammenfassen lässt. Entweder will man ihn einfach nur fertig machen, weil er sich so dermaßen daneben benommen hat, oder man will das erwachen eines zweiten Akira verhindern.) Wie diese jeweils doch sehr eigenwilligen Bündnisse dann aber sich weiterhin machen werden muss man wohl abwarten. Dieser Band hier passt jedenfalls ins Gesamtbild, das bis hierhin entstanden ist: Man sitzt nach der Lektüre einfach nur da und hat das undumpfe Gefühl noch nicht einmal die Hälfte des Ganzen verstanden zu haben.

Fazit

Die Serie macht es einem wirklich schwer, ihrem Plot zu folgen. Repsektive: Dem Plott kann man schon folgen. Nur macht er in etwa soviel Sinn (zeitweise) wie manche der heute als Trash-Klassiker geltenden Action-Filme aus den 80er Jahren. (Und dann gibt es plötzlich wieder vereinzelte Stellen, die einem das Gefühl vermitteln, als wäre da irgendwas sehr geniales, das am Ende alles Sinn machen wird, hinten dran. So muss man aber einfach nur sagen: Dinge passieren.

Ich möchte die Sache zwar auch weiterhin gut finden, aber gerade eben macht das ganze Gekuddel es einem einfach sehr schwierig das Ganze nicht zu hassen. (Was besonders dann schwierig wird, wenn man sich die Serie als Projekt zum durchgehen und Rezipieren auferlegt hat.)
Ich kann im Moment eigentlich nur sagen: Es ist toll. Aber es ist wirr.