Montag, 16. Januar 2017

Der Artefakt-Orden von Karteus: Ein SLC-Konzept (Karneval der Rollenspielblogs)


Ich begenete einer jener finsteren Gestalten in einer dunklen Nacht, während eines Sturmes. Ein Blitz hatte einen Baum umgerissen der mein Pferd beim Umfallen erschlug und ich kämpfte mich alleine durch die kalte Nässe des Erbarmungslos herabfallenden Regens. Der Grund für diese Narretei war der Umstand, dass ich so gerade eben noch in einiger Entfernung ein Hellerleutetes Fenster irgendwo mitten im Wald erblicken konnte. Der Lichtschein führte mcih zu einem alten Turm, der schon bessere Zeiten gesehen hatte. Ich verschaffte mir Einlass und suchte den Hausherren, so wie es die Gastfreudschaft verlangte. Doch mit schrecken musste ich feststellen, dass der Hausherr eine jener grauenhaften Gestallten war, welche in alten Legenden ganze Königreiche herniederbrannten. Eine in einer dunklen Kutte gekleidete Person, welche ihre Kaputze tief in das scheinbare Gesicht gezogen hatte schwebte über dem Boden und ehe ich aus Angst das Weite suchen konnte bemerkte sie mich. »Ein Eindringling? Hier in meinem Allerheiligsten?«, donnerte eine Stimme entlang der Wände. Ich wusste nicht, ob ich noch fliehen konnte. Die Mächte der Ordensbrüder waren in den Legenden als Grauenhaft beschrieben worden. Ebenso wie die scheinbare Ziellosigkeit ihrer Handlungen. Ich ergriff also mein Schwert, welches ich in verteildigender Haltung zwischen mir und der Gestallt in Roben hielt. Alles, was ich darauf erntete war ein überaus spöttischer Ton. »Erwatest du etwas wirklich, mir damit etwas antun zu können?«, fragte die Gestallt und hob ihre Kaputze an, wodurch ich erschrak. Kein Kopf war in dem Tuch zu erblicken. Es erschien fast so, als hätte die Figur nur eine Hülle aus Stoff aufgblasen, um einen Raum anzuzeigen, den man ansprechen könnte. »Wir sind nicht umsonst so lange in diesem Landstrich unterwegs, dass ihr genug über uns gehört habt, um euren Kindern das Grauen mit einem Namen zu beschreiben.«, was folgte war boßhaftes Gelächter und ich versuchte durch einen Frontalangriff mein Heil in der Flucht zu suchen, denn um die Hände der Robe begannen mit einem mal funken aufzublitzen. Durch ein Missgeschick riss ich dabei eine Feuerschale mit glühenden Kohlen um, die den Raum mit Licht beschienen und traf dabei die Figur deren Stoff umgehend Feuer fing. Ein grauenhaftes geräusch war zu vernehmen und ich sah noch, wie die Gestallt lichterloh in Flammen stand, ehe mich jeglicher Mut verließ und ich diesen Ort Fluchtartig verließ, mein Glück lieber in der umstürmten Nacht, als mit den Rachegefühlen des Wesens suchend.
Erst als der Regen nachließ und der Morgen graute und meine Kleider follkommen durchnäßt waren (und ich feststellte, dass ich mein Reisegepäck höchstwarscheinlich in dem Turm verloren hatte) faste ich noch einmal Mut und suchte den Ort des Grauens der vergangenen Nacht erneut auf. Ich fand mein Gepäck in dem Raum des Aufeinadertreffens mit jenem rätselhaftem Ordenbruder. Und einen goldenen Ring, in den ein finsterer Stein eingelassen war, inmitten der Asche, wo die brennende Robe den Boden berührt haben muss.
Aus den Reisetagebüchern des Bardens Falkwang.

Herzlich willkommen zum Januar Karneval 2017. Da die Nerd-Gedanken diesen Monat das Thema Verwunschen, verzaubert, verfluchtausgerufen haben, hatte ich ursprünglich darüber nachgedacht, dass ich mich an meinem großen Schwachpunkt, den Settingentwürfen, mal wieder austobe… jedoch viel mir dann eine Gestallt in einer Robe ein, die zusammen mit ihren Kumpels ganz am Anfang meiner Rollenspielzeit, als ich mich noch sehr viel schreibenderweise in freien Forenspielen austobte, einer Gruppe von Wesen die Hölle heiß gemacht haben. (Ich könnte jetzt wirklich intensiv versuchen herauszufinden, ob die Threads von damals noch existieren, da das Forum von damals noch online ist, aber das scheint mir aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich sinnig.) Es muss irgendwo um 2002/2003 herum gewesen sein. Ich war damals nicht sonderlich begeistert von Peter Jacksons „Herrn der Ringe“ gewesen (ebensowenig von der Buchvorlage), wohl aber von den Radierungen der Serie „Desastres de la guerra“ des spanischen Malers Francisco de Goya, von denen eine Grafik vermutlich zum Teil für das Desighn der Nazgûl mit verantwortlich ist. Außerdem war ich damals ein großer Fan von Sience Fiction – wobei mich das Thema bosartige, künstliche Intelligenzen irgendiwe angesprochen hatte – und von bescheuerten Plottwists, wie Gegnern, deren exakte Schwäche man kennen musste, um sie zu besiegen.

Von daher war wohl meine Basisüberlegung damals gewesen „Was wäre, wenn der eine Ring damals einfach keinen Bock mehr auf die ganze, langweilige Scheiße gehabt hätte, und anstelle irgendeinen Träger zu verführen einfach sein eigenes Ding durchgezogen hätte?“ (Damals hatte ich weder von Michael Moorcock noch von „Sturmbringer“ jemals etwas gehört… das singende Schwert aus Knighty Knight Bugs und der verzauberte Hofstaat aus Disneys „Die Schöne und das Biestwaren wohl eher Inspirationsquellen für mich gewesen.)
In sofern entsprangen damals (wenn ich mich Richtig erinnere) 12 Gegenstände, die ich zum Zweck dieses Artikels heute einfach als „Die Artefakte von Karteus“ bezeichnen möchte. Jedes dieser Artefakte war ein Schmuckstück. Jedes hatte eine eigene Persönlichkeit. Und jedes dieser Artefakte hatte einen einzigen Spruch drauf, auf den es aber immer bei belieben zurückgreifen konnte. (Im Grunde waren meine Überlegungen damals so: Wer auch immer die Person war, welche die Artefakte angefertigt hatte, wollte Prestige-Objekte schaffen. Entweder um selbst damit zu prahlen, wie ungemein Tödlich allein ihr Schmuck wäre, oder um einen Auftraggeber damit zu beglücken, welcher Angeben wollte. Zeitgleich hatten diese Artefakte aber unglaublich zynische Persönlichkeiten aufgrund ihrer Macht mit eingepflanzt bekommen. Im Grunde genommen haben wir hier intelligente Waffen, die zum Angeben da sind.) Ich selbst kann mich jetzt noch an ein Diadem, einen Ring, ein Kollier und ein Amulett erinnern, die auf jeden Fall zu dieser „Gruppe“ gehört haben. Ein Gegenstand schmiß mit Feuerbällen um sich, ein anderer Beherrschte einen vereisungszauber und noch einer konnte mit Blitzen werfen. (Und so weiter… für weitere Inspirationsquellen sehen sie sich der Spruchliste ihres Vertrauens an.)
Und jetzt kommt der Punkt mit den dämlichen Plottwists: Diese Artefakte hatten irgendwann für sich den Entschluss getroffen, dass sie selbst nicht länger Objekte der Begierde sein wollten, die jeder benutzt. (Ausnutzt!)
Und dort kommen jetzt die Roben ins Spiel (wie gesagt: In gewisser Weise hat mich damals Goya inspiriert… aber das war damals auch die Zeit der Alien-Hybrid-“Teen Titans“, deren Comic Hefte noch bei Dino Comics erschienen sind. Damals war auch noch das Mitglied „Omen“ dabei, deren äußeres Erscheinungsbild auch Teil meiner Vorstellung dieser „Möchskutten“ mit beeinflußt hatte.)
Diese erfüllten jetzt mehrer Zwecke: Sie verbargen den Protz der Artefakte mit ihrem Stoff im Inneren. Sie konnten schweben und gaben den Artefakten damit eine Form, die sie Kontrollieren konnte, so das es den Anschein hatte, dass man es bei dem „Artefakt-Orden“ mit gruseligen Personen zu tun hatte. Und sie hatten irgendwie die Möglichkeit, den intelligenten Artefakten eine Stimme zu verleihen. (So genau hatte ich das damals nicht durchdacht. Die Roben waren der Grund, warum die Artefakte aktif werden konnten.) Und die stimmen waren damals ein zynisches, gehässiges Flüstern bis zu einem angsteinflößenden Poltern. (Insgeheim ging es dabei darum, dass diese Figuren zwar seltsam, fast schon Geisterhaft in ihrer Erscheinung waren, aber auf jeden Fall Symbole der Angst repräsentieren mussten.) Und zeitgleich waren die Roben der Schwachpunkt: wenn man das Artefakt irgendwie von der Robe trennte, viel es einfach auf den Boden und war wieder ein Hilfloser, magischer Gegenstand, der seinen Träger dafür am laufenden Meter beschimpfen konnte.
Tja, die Artefakte wurden in der entsprechenden Entschlacht besiegt, aber das heißt nicht, dass man nicht nochmal auf diese Idee zurückgreifen kann. (Auch wenn ich das Ganze nochmal sehr stark überarbeiten müsste, vorher.)


Nur zeigt das auch im Zusammenhang mit Verzauberungen: Man kann mit ein paar wenigen Überlegungen bereits auf der SLC-Ebene ein paar sehr setlsame, aber durchaus ikonische Konzepte verbrechen.

Montag, 9. Januar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Schlacht um Miyakos Tempel (Akira 11)

Cover: Schlacht um Miyakos Tempel
Akira 11
Velrag: Carlsen Comics
Die Absurdität geht weiter. (Es tut mir leid, aber weil die Erzählung gefühlt schon seid ein paar Ausgaben keinen offensichtlichen, roten Faden verfolgt, sitze ich schon seid ein paar Ausgaben dabei und frage mich, wo die gesamte Geschichte hin will.)

Es beginnt eigentlich mit einem kurzen Blick auf den ehemaligen Colonel bringt in seinen Unterschlupf seine neue, verwundete Verbündete aus dem letzten Band und dadurch wird auch noch aufgezeigt, zu was für einem Wrack einer der führenden Wissenschaftler seines ehemaligen Projektes geworden ist. Allerdings: Er hat nach wievor Kiyoko unter seiner Aufsicht. Zeitgleich brechen aber auch noch mehrere andere Aktionen zeitgleich in Gang: Tetsuo versucht irgendwie die Macht der Drogen zu überwinden, um das Potential, dass ihm Miyako „versprochen“ hat zu entfalten. Zeitgleich beginnen die Bürger von Tetsuos „Königreich“ sich zu bewaffnen und rücken gegen den Tempel von Miyako vor, um die alte Dame und ihre Anhänger umzubringen. (Und um dem greise Kind, dass sich in Miyakos Obhut jetzt befindet, habhaft zu werden.) Zur selben Zeit beginnen Kei und Miyako (sowie ein paar andere Personen aus Kanedas ehemaligem, näheren Umfeld) sich über die derzeitige Situation auszutauschen. Man kann fast sagen, dass es hierbei unglaublich Notwendig wird, einen besseren Überblick zu bekommen. (Den man sich als Leser – zumindest in meinem Fall – auch wünscht.)

Also: Grundsätzlich hat sich hier nichts verändert (zumindest im vergleich zum vorherigen Band)... nur das sich bei mir das Gefühl jetzt breit gemacht, dass dieser Band eine Art charmante Verbeugung vor „Lord of the Flies“ sein soll... nur mit Mutantenkräften... und deutlich effektiveren Waffen... und einem postapocalyptischen Neo-Tokyo... okay, lassen wir das einfach. Prinzipiell, und das ist durchaus etwas, das man dem Band zu Gute halten soll, wird hier in Gewisser Weise eine Art „Herdestudie“ betrieben. Man gibt einem Haufen bekloppter Irrer einen Haufen Waffen in die Hand und stellt sehr schnell fest, dass diese dazu übergehen auf irgendwas zu schießen. (Was zumindest als sarkastischer Kommentar sehr gut auf dieser Bildebene funktioniert.) Grundsätzlich bleibt aber die ganze Zeit das Hauptproblem weiterhin bestehen, dass ich bereits etwas länger im Hinterkopf habe: Irgendwie gibt es hier einen ganzen Haufen loser Fäden und bis jetzt zumindest keinen einzigen Hinweiß, wie diese ganzen Fäden zusammenpassen sollen. Von daher weiß ich gerade nicht, ob hier ein gewisser Interkulturelles Unverständnis meinerseits gerade existiert, weil hier diverse Motive bemüht werden, die jeder Japaner sofort einordnen kann, oder tatsächlich einfach nur ein sehr epischer Plott entsteht, in dem jede einzelne Figur eine sehr wichtige Rolle spielt. (Und der Autor – anders als G.R.R. Martin – nicht sofort jede wichtige Figur aufbaut um sie follkommen sinnlos umzubringen.)

Fazit

Die Frage bleibt bestehen, ob man hier seid mehreren Ausgaben einfach nur mit einem füllerplot kämpfen, der sich länger ausweitet, als die schlimmsten zwischenplots bei The Walking Dead, oder ob sich am Ende das hiesige Geplänkel wirklich als unglaublich litarisch-wertvoll erweit. Die Story bleibt aber das, was sie letzten Endes ist: Man hat das Gefühl einem Haufen verlorener Seelen dabei zuzusehen, wie sie ohne Sinn und Verstand einfach nur zu überleben versuchen. (Im übrigen wird hier auch zum ersten mal zumindest bei ein paar Personen angesprochen, warum sie nicht einfach die Stadt nach der Katastrophe verlassen haben. Auch wenn das bei den meisten übrig gebliebenen Personen dann trotzdem noch ungeklärt bleibt.) Man bemerkt: Es gibt ein paar Lücken in der ganzen Geschichte, über die ich dann und wann auch schon seid längerem Gestolpert bin, aber auf die es auch keine so genauen Antworten gibt. (Außer eventuell: Würden diese vermeintlichen Logiklöcher nicht existieren, gäbe es überhaupt keine Geschichte zu erzählen.) In sofern warten wir also einfach einmal ab, was der nächste Band mit sich bringt... oder der übernächste... oder der danach.

Dienstag, 3. Januar 2017

RPG-Blog-O-Quest #016 – Jahresrückblick 2016

Okay... eigentlich hatten wir ja schon den Jahresrückblick am Vreitag gehabt. Aber da ich die Bloggoquest auch mal wieder ausfüllen wollte, nehme ich hier mal den entsprechenden Ansatz von Greifenklaue auf.

1. Für 2017 hab ich mir in punkto Rollenspiel vorgenommen "mehr Rollenspiel". Zumindest war das Mittel 2016 das Kredo innerhalb meiner "münsteraner Runde", die derzeit auch meine einzige Runde ist. Wir hatten deshalb den versuch mit dem Hangout gestartet und damit ein paar kleine Startschwierigkeiten gehabt. Ich hoffe jetzt wirklich, dass wir den ganzen Klumpatsch 2017 endlich mit ein wenig mehr Leben gefüllt bekommen.

2. Das beste/einprägsamste Erlebnis 2016 in Deiner Rollenspielrunde war überhaupt Rollenspielen zu können. (Da waren durchaus ein paar schöne Szenen, die ich mit den drei Chroniken verbinde, an denen ich 2016 beteiligt war. Aber ich weiß gerade nicht, ob die wirklich in der Hinsicht Fallbeispiele für 2016 waren, oder noch aus 2015 stammten. Es war jedenfalls schön sich endlich mal mit "Clan Salubri" direkter auseinandersetzen zu können, die für mich bislang "nur" Brainchilds aufgrund ihres hohen Pazifismus innerhalb der Heilerkaste waren, was die Faszination anbelangte.)

3. Welches Rollenspielprodukt hat Dich im vergangenen Jahr am meisten erfreut?
Rein vom Spielen her? Die alte World of Darkness. Wenn man davon abstrahiert das Ganze betrachtet: Der Charakterbogen von Numenera.

4. Welchen SC hast Du am meisten gespielt in 2016 , welches System war das und an was werden sich die Mitspieler erinnern?
Uh... das ist entweder Michaela "Mik" Daboven, meine Tomboy Ragabash der Shadowlords oder Agent Aika Sito von den Void-Engineers... ich glaube aber Agent Sito müsste da ein wenig mehr Screentime im letzten Jahr gehabt haben.
Also war es Mage the Ascension... und die bleibenden Erinnerungen: Ich tippe mal auf endlos Lange Flirtsessions mit einem Hoffnungslos überforderten Nerd aus der Ausrüstungsübergabe. (Der Mann wird wohl als Jungfrau sterben... allerdings vorher unendlich viele Waffen herausgegeben haben, die man normalerweise nicht hätte requirieren könne. Und bevor ihr euch fragt: Unser SL in dem Bereich ist männlichem Geschlechts, mit dem ich die entsprechenden Szenen am Tisch ausspiele.)

Das ganze ist u.a. deswegen möglich, weil Sito eine überdurchschnittlich attraktive Frau ist, rein von den Werten her.


5. 2016 gilt als Jahr vieler toter Promis. Gab es auch tote SC {ofder prominente NSC} in Euren Runden?
Nein, nicht wirklich. (Zumindest würde ich die NSC, die wir zwangsweise Platt gemacht haben, nicht unbedingt als all zu hervorhebenswert betrachten. Außerdem war der einzig wirklich "tote" Zwischenboss letzten Endes nur eine KI Namens Zygan, die sich von der technokratischen Union gelöst hatte, der wir aber auch nur große Teile ihrer Rechenpower in Form einer Serverfarm entzogen hatten.)

Montag, 2. Januar 2017

Rezension: Katsuhiro Otomo: Begegnung in der Tiefe (Akira 10)

Cover: Begegnung in der Tiefe
Akira 10
Verlag: Carlsen Comics
Ich bin mir immer noch nicht wirklich sicher, auf was diese Serie letzten Endes hinauslaufen soll. Begegnung in der Tiefe spielt immer noch im Heruntergekommenem Neo-Tokyo nach der Explosion. Tetsuo hat sich nach dem letzten Band in eine Art vor Angst und Espenlaub zitternde, sabbernde Kreatur verwandelt, die lange Zeit nicht weiß, was sie da eigentlich erlebt haben mag.
Zeitgleich versuchen Kei und Chiyoko die beiden greisen Kinder zu Mutter Myasaki zu schaffen.
Irgendwo Zeitnah dazu treffen Tetsuos Männer auf die Beiden und es entspringt der übliche Krach mit viel Gewallt, Explosionen und Toten, der aus dieser Gruppe gewaltgeiler Vollidioten auf dem Egotripp nur entspringen kann.
Miyasaki will die beiden greisen Kinder in ihrer Nähe wissen. Erklärt aber Zeitgleich Tetsuo, der zu einem Besuch kommt ein wenig den Hintergrund der ersten Explosion und was die greisne Kinder (und Akira) mit diesem Ereignis verbindet. (Und gibt ihm einen Rat und das Ziel, dass nur er Akira eventuell verstehen kann, weil er seinen Geist berührt habe. Aber nur, wenn er wirklich aus seiner eigenen Stärke heraus wächst.)
Kurz gesagt: Die Story bleibt wirr. Einzelne Charaktere agieren und reagieren. Bedrohen sich gegenseitig, helfen sich Gegenseitig... und man blickt eigentlich nicht durch, wer eventuell welches Ziel verfolgen könnte. Fakt ist nur: Das große Rätsel um Akira hat (was man schon erkennen konnte) mit den ganzen greisen Kindern zu tun, die von Anfang an irgendwie eine Art von Plotweiterführung darstellten. (Und das Tätowierungen mit einer Zahl im zwanzigerbereich anscheinend für besonders gefährliche Individuen benutzt worden sind.) Man erkennt an dieser Stelle eigentlich nur, dass Akira die große Unbekannte in der ganzen Situation bleibt, und das man das bisherige Verhalten „des Erleuchteten“ auch weiterhin nicht verstehen können wird. (Und das Tetsuo in diesem ganzen Chaos vermutlich die zentralste Aufgabe gestellt bekommen wird, wenn es weiter geht.) Tortzdem bleibt weiterhin die Frage bestehen, was Miyasaki mit den beiden Greisen tun will, da sie für sie anscheinend eine besonders wichtige Rille zu spielen scheinen.
Und es wird auch hier wieder einmal alles darauf hingetrieben um erneut eine Explosion von Gewallt und blinder Wut in einem der nächsten Bände vermutlich aufzuführen.
Im Grunde ist alles hier einfach nur unter dem Aspekt zu sehen, das die Geschichte von Akira so undurchsichtig ist, wie das Leben selbst, weil in dieser Situation wirklich jede zentralere Figur einer eigenen Agenda zu folgen scheint.

Fazit

Der Plott bleibt wirr und unverständlich. Die einzelnen Figuren sind eigentlich nur noch in Graustufen zu beschreiben. (Was durchaus positiv ist. Ein Reines Gut oder Böse würde eventuell zwar der Übersichtlichkeit her dienen, aber da diese Geschichte so geschrieben wird, dass im Grunde niemand hier ein Held oder Schurke ist, sondern alle nur Anti-Helden darstellen, ist das eventuell noch nicht mal positiv zu sehen.) Insgesamt kann man eigentlich nur sagen, dass man für die Serie anscheinend wirklich Geduld haben muss, um den derben Stoff, der einem hier immer wieder geboten wird, zu akzeptieren. (Und man muss jede Menge geduld und Leidensfähigkeit mtibringen, gerade weil man eben keine fokussierte Erzählung vorgesetzt bekommt.)

Donnerstag, 29. Dezember 2016

EingeNerdet in den 90ern. [Karneval der Rollenspielblogs]


Das Jahr neigt sich seinem Ende zu (und wir werden 2016 nicht vermissen, denke ich). Trotzdem haue ich jetzt noch ein paar mal in die Tasten, um Dinge zu erledigen, die sich irgendwie angesammelt haben. Der Karneval der Rollenspielblogs hat ja das Thema „alte Säcke“ in diesem Monat und während ich jetzt natürlich bereits meine Erfahrung mit noch älteren Säcken als mir in meinem „Hauptartikel“ diesen Monat bereits zum besten gegeben habe, bin ich jetzt dann (wenn ich ganz ehrlich bin) auch schon ziemlich lange in der Szene aktiv und kann mich nicht mehr ruhigen Gewissens als „Jungspund“ bezeichnend. (Durchgeknallt und Spaß dabei würde es wohl eher treffen.) Jetzt hatte während der Themenfindungsphase bei den Rollenspielblogs Niniane im Forum geäußert, dass sie sich sehr dafür interessieren würde, wie die Geschichte von anderen aussähe, die etwas länger im Hobby sind, als sie. (Und ob es da überhaupt größere Unterschiede gibt.)

Jetzt muss man ein paar Dinge bei mir hinzufügen, bevor es ans eingemachte geht. Zum einen bin ich als Lehrerkind vermutlich ohnehin eine dieser seltsamen Geschichten von jemanden, der materiell etwas besser versorgt war, als eine wie auch immer geartet Mehrheit vielleicht war. Zum anderen bin ich, was meinen Eintritt ins Hobby angeht, ohnehin auf dem letzten Sprung der 90er Jahre reingerutscht. (Wenn ich das jetzt Richtig rekonstruiert bekommen habe, waren meine ersten Runden im Winter 1999 gewesen.)
Technisch bin ich aber schon immer irgendwie das gewesen, was man heutzutage unter dem Oberbegriff „Nerd“ oder „Geek“ führt: Ein wenig sonderlich und mit einer hohen Faszination für popkulturelle Phänomene versehen. (Ich las halt schon Comics, bevor das Cool war.) … und natürlich kämpfte ich seit jeher ein wenig mit meinen Fähigkeiten im sozialen Miteinander. (Wir kennen das ja: Leute die nicht ganz der vermuteten Norm entsprechen, werden eher als Wunderlich angesehen. Und ich hatte vermutlich noch Glück, weil ich halbwegs mit den Leuten in meiner Klasse klar kam – also keine Bully-Geschichten hier.) Von daher ist mein weg ins Rollenspiel eher die Geschichte eines sehr kurvige Pfades, wo ich ein paar mal auch abgebogen bin.

Und ich weiß noch nicht mal, wo ich anfangen soll: Entweder in den sehr frühen 80ern, als ich meine erste He-Man-Actionfigur erworben habe (von der ich nicht mal mehr weiß, was das damals war… bereut habe ich allerdings irgendwann, dass ich einige Jahre später den original Busssaw Hordak wieder auf dem Flohmarkt verkauft habe, aber das ist eine andere Geschichte) oder Ende der 80er, als ich von meiner Mutter im moerser Horten (jetzt wisst ihr in welcher Ruhrgebietsstadt ich groß geworden bin) ein Comicheft aus der Reihe „Die Spinne ist Spider-Man“ von Condor Interpart gekauft bekommen habe, in der Captain Britain seinen Einstand ins Marvel-Universum feierte. (Und das mich dieses Ereignis bis Heute nicht mehr losgelassen hat kann man an dem sehr hohen Anteil an Comic-Rezensionen hier auf dem Blog durchaus sehen.)

Der Punkt bei dieser Sache ist nur: Alle diese Dinge, die mich aus den 80ern in die 90er begleiteten, setzten eine Sache nicht voraus: Andere Menschen zur sozialen Interaktion. (Ich will jetzt nicht sagen, dass ich da nicht irgendwas zu tun hatte. Technisch war ich wohl damals der Prototyp des heutigen, unter Dauerstress stehenden Teanagers… nur halt ohne Sekretärin für die Terminverwaltung. Nur dieses Zusammensitzen um ein Spiel zu spielen war halt nicht so das Thema gewesen.) Das wurde Notwendig, als meine Klasse auf Klassenfahrt mit einer anderen Klasse fuhr… das dürfte so während der 8ten gewesen sein. Einige Jungs in der Paralelklasse spielten ein komisches Kartenspiel mit interessanten Illustrationen auf den Karten. Ja, ich rede von Magic: The Gathering. Auf diesem Weg versank dann einiges an Geld in diese Karten. (Allerdings hatte ich das Problem, dass Personen mit denen ich spielen konnte, am anderen Ende der Stadt wohnten… meine weiterführende Schule gehörte zu den drei Innenstadt-Gymnasien in Moers, weil der Ruf der in Frage kommenden Schule in meiner „direkten Nachbarschaft“ für meine Eltern einfach zu katastrophal war. Und meine Mutter zu dem Zeitpunkt noch sehr skeptisch der Institution der Gesamtschule gegenüber stand.)
Von daher war es nicht weiter verwunderlich, dass ich etwa ein Jahr später, nachdme ich über den Games Workshop im Oberhausener Centro gestolpert war, mit Begeisterung dieses Hobby ergriff. (Ich hatte zwar nicht immer die Zeit und Möglichkeit, um nach Oberhausen zu fahren, aber während der Schulferien und eventuell auch manchmal auftretenden freien Tage kam es dort zu Aktionen, wo man wusste, das man dort jemanden zu spielen antraf.)

Und jetzt wird es kompliziert, weil wir uns endgültig dem Hobby Rollenspiel nähern: Ich wusste damals, dass das Hobby existierte (auch wenn ich zu dem Zeitpunkt nur irgendwie mal einen Blick in ein Buch für ein Fantasy-Rollenspiel werfen konnte, dass während einer kurzen Pause in der Klasse rumging und die Person, die es durchblätterte zufällig neben mir saß.) Über eine Projektwoche an der Schule hatte ich ein paar Leute aus niedrigeren Klassen kennengelernt, mit denen ich ab und zu während der großen Pausen mich unterhielt. Und dann wurde an der Spakasse ein „StartUp“-Spiel veranstaltet, bei dem wir teilnahmen. (Ohne irgendwelchen Erfolg, wohlgemerkt, was dieses Spiel betraf.)
Auf der Eröffnungsveranstaltung allerdings stellte sich eine Gruppe vor, die einen Rollenspielverlag mit eigenem System gründen wollten… und dieses System lag tatsächlich an dem Abend auf dem Tisch. (Ein Cyberpunk-Heartbreaker mit Namen „Hell on Earth 3015“.) Das lustige bei der Sache war nur: Diese Jungs betreuten für eine evangelische Kirche einen regelmäßigen Treff Namens „Fantasy Workshop“, den sie gegründet hatten. Und ausgerechnet dort wurden wöchentlich all die Spiele gezockt, für die ich schon vorher eine gewisse Affinität gezeigt hatte. (Okay... „Necromunda“ kontne ich auch dort nicht spielen, aber irgendwas ist ja immer.) Dieser Fantasy Workshop war zwar auch am anderen Ende der Stadt, aber wenigstens von mir aus gesehen nicht „Jenseits von Schwafheim“, und dadurch deutlich besser zu erreichen, wenn man es aufs Fahrrad ankommen lies. Und dadurch ergab es sich dann auch, dass wir in regelmäßigen Abständen, immer Freitags einen weiteren festen Termin hatte, an dem ich andere, seltsame Gestalten traf die ähnlich drauf waren wie ich.
Und über diesen Kontakt ergab es sich dann auch, dass ich ein paar Runden von besagtem Heartbreaker spielen konnte. (Aus heutiger Sicht ein paar Hoffnungslos überzogene Situationen, bei denen die erste Geschichte in einem TPK endete und die zweite niemals beendet wurde.)
Aber auf diese Weise hatte ich dann Blut geleckt.
Was folgte sollte dann ein langsames vorantasten an die gesammte Thematik Rollenspiel über dieses omniöse Internet, dass so viel Geld kostete, wenn man es nuzte, sein. Ich stolperte über die damals schon aktiven Seiten wie die Drosi und „Freie-Rollenspiel.de“ (Die ja auch nur an die Drosi angehefte ist.) Ich tobte mich in ein paar Foren-Spgs aus. (Schwerpunktmäßig im Comicforum.)

Und irgendwann zog ich nach Münster, um zu studieren. (And the Rest is history.)

Dienstag, 27. Dezember 2016

Fick dich, 2016! (R.I.P. Carrie Fisher)

Carrie Fisher (2013)
Quelle: Riccardo Ghilardi photographer
CC BY-SA 3.0
Ich gebe ja zu, dass ich eigentlich versuche so wenig „Promi-Gehype“ wie möglich in meinem Leben mehr zuzulassen. Trotzdem hatte mir eine Nachricht in den letzten Tagen dann doch eher mit einem Stein im Magen hinterlassen: In den letzten Tagen bewegte sich eher zögerlich über meine sozialen Netzwerke die Nachricht, dass die US-Schauspielerin Carrie Fisher am Freitag dem 23.12. während eines Fluges einen Herzstillstand erlitten hatte. (Auch wenn zeitgleich die Nachricht rumging, dass ihr Zustand entsprechend Stabil sei.)

Heute kam dann die Nachricht, dass das fiel verhasste Jahr 2016 auch in den letzten Atemzügen weiterhin als das Arschloch punkten wollte, dass es ohnehin schon die ganze Zeit war. Und jetzt sitze ich im Moment hier und weiß nicht so genau, was ich eigentlich schreiben soll…

Der Punkt bei der Sache ist nämlich der: Carrie Fisher war definitiv keine der ganz großen Schauspielerinnen unserer Zeit. (Während ich gerade eben ihre Film-Vita nocheinmal durchgeklickt habe viel mir auf, dass sie eigentlich fast nur in eher mauen B-Movie-Produktionen aufgetreten war und in den wenigen Beispielen, die mir etwas sagten, mir noch nicht mal aufgefallen war.)

Trotzdem gehörte sie zu den ganz großen Ikonen der Pop-Kultur und das nur wegen einer einzigen Rolle: Prinzessin Leia Organa(-Solo) von Alderan.
Mein Punkt bei der ganzen Sache ist, dass ich Star Wars erst sehr spät kennen gerlernt habe. Ende der 80er/Anfang der 90er, auf dem Campingplatz in Schillig an der Nordsee. (Ganz dekadent mit einem kleinen, mitgebrachtem Fernseher und einem entsprechenden Videoplayer.) Und trotzdem war ich damals von der ganzen Geschichte, bei der Luke Skywalker seinen „Call to Adventure“ erhält und seine Heldenreise bis zur Zerstörung des ersten Todessternes erlebt (und während dieser die Prinzessin rettet) sofort verzaubert. (Und auch wenn mir auch irgendwann aufgegangen ist, dass die Kuss-Szene in A New Hope zwischen Luke und Leia ein in gesammtgesellschaftlicher Moralvorstellung äußerst pikantes Detail darstellt, macht mir das irgendwie so gar nichts aus.)

Die Rolle der Leia hatte sich über die weiterfolgenden Filme dann immer weiter entwickelt. Zuerst war sie die Damsel in Distress, dann eine immer Kompetenter werdende Führungsrolle während der Rebellion. (Wenn auch mit dem Love-Interest Han Solo, mit dem sie sich eigentlich fast nur gestritten hatte.) Und vermutlich jeder von uns hatte mal irgendwann eine Phase, wo Leia im Slave-Outfit irgendwie zu einem Poster an der realen oder virtuellen Wand geworden ist. (Die Anfangs 19 Jährige Göre war halt zu einer sehr attraktiven Frau geworden.)

Was allerdings fiele dabei ausblenden: Diese Rolle der Leia wurde im Laufe der Jahre dann immer größer. (Da der Fokus von Star Wars als Familiensaga immer auf den Skywalkern lag … von ein paar kurzen Abstechern wie der X-Wing-Romanreihe mal abgesehen … wurde Leias Geschichte auch immer weiter erzählt. In Romanen, Comcis, vereinzelt auch noch Videospielen. Und während hier nur die Figur Leia die Moghri von der Unterjochung durch den Imperialen Großadmiral Thrawn befreite, später das Staatsoberhaupt der Neuen Republik wurde, als Mon Mothma nur beinahe einem Giftanschlag überlebte und schließlich zusammen mit ihren Kindern den zahlreichen Flüchtlingen während der Yuuzhan-Vong-Invasion zu Helfen versuchte, aber irgendwann selbst zum Flüchtling wurde: Carrie Fishers Gesicht blieb auf all diesen Romancovern erhalten und lies die Schauspielerin auf diesem Weg fast schon Unsterblich werden… bis Disney kam.

Aber auch wenn Disney den radikalen Bruch mit dem alten EU der 90er-Jahre (und dadurch einem sehr guten, wenn man George Lukas Verschlimmerungen an der Geschichte ignoriert, konsistentem Canon im Post-Endor-Bereich verstieß) blieb Carrie Fisher als eine der wichtigen, zentralen Hauptfiguren erhalten: In The Force Awankens war aus der Prinzessin ein General geworden und die Nachfolgeorganisation der Rebellion war jetzt der Widerstands. Aber ansonsten war es halt das, was es sein sollte: Star Wars mit dem Bemühen wieder zu den Stärken zurückzukehren. (Und weg von dem Dreck, den Lukas sowohl aus der OT gemacht hatte, die 2004 auf DVD erschienen war… oder gar diesem Alptraum, der die PT hätte sein sollen.) Carrie Fischer war noch einmal in ihrer Paraderolle auf die Leinwand zurückgekehrt. Stellte eine um ihren Sohn trauernde Mutter dar, die Bald auch noch ihren Partner verloren hatte. (Was eventuell für Episode VIII sogar eine gute Möglichkeit sein könnte, General Organa aus der Geschichte Off-Screen rauszuschreiben.) Und in Rogue One wurde noch einmal ihr Gesicht eingesetzt, um eine sehr junge Leia noch einmal in den letzten Minuten der erfolgreichen Selbstmordmission von Jyn Erso zu zeigen.

Jedenfalls kam heute dann über die üblichen Kanäle wieder die entsprechende Nachricht: Carrie Fisher ist am heutigen Dienstag, dem 27.12.2016 verstorben und damit ein weiteres Opfer dieses grauenhaftem Jahres geworden.


Farewell, Pricess Leia. Du hast mir eine Menge Freude bereitet.

Montag, 26. Dezember 2016

Rezension: Katsuhiro Otomo: Herrscher über das Chaos (Akira 09)

Cover: Herrscher über das Chaos
Akira 09
Verlag: Carlsen Comics
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich die Reihe jetzt endlich einmal wirklich verstanden habe. Im Grunde stümpere ich mich deshalb jetzt mit diesen Rezensionen einfach weiterhin von Band zu Band und gebe dabei meine Leseeindrücke einfach weiter.
Technisch betrachtet muss zwischen dem letzten Ereignis aus Band 8 und dem Auftakt von Band 9 ein wenig Zeit vergangen sein: So wie es aussieht hat Tetsuo das Chaos nach der großen Explosion, die Akir averursacht hat ausgenutzt, um einige „Getreuen“ um sich zu schaaren und auf diese Weise eine Art „absolutistische Theokratie“ aufzubauen. Der Punkt bei der Sache ist, dass er zwar die „Staatsgeschäfte“ seines „großen Tokioter Reiches“, wie er das Konstrukt nennt, durchführt, an der Spitze aber als Heiligenfigur Akira auf einem Thron sitzt und als „Erleuchteter“ von der Masse (gemeinhin als „das Volk“ bezeichnet“) angebetet wird, während er Wunder aller Art vollzieht.
Der Punkt bei der Sache ist: Tokio liegt in Schutt und Asche, das Ganze hat einen sehr postapocalyptischen Tatsch... und Tetsuo und seine Mannen sind dabei nicht anderes als Warlords, die die Bevölkerung mit Drogen und Lebensmitteln bei Laune halten. (Wir müssen uns hierbei kritisch vor Augen halten, dass es absolut unklar ist, woher er die entsprechenden Medikamente nimmt. Sie scheinen nur in rauen Mengen vorhanden zu sein und sind dabei Notwenditg, um noch einmal jenseits der ganzen Geschichte besondere Aktionen durchzuführen.)
Letzten Endes verfolgt Tetsuo dabei anscheinend zwei Ziele: Zum einen versucht er mit Hilfe der von ihm verwendeten Drogen Menschen zu identifizieren, die ähnlich von ihm ebenfalls latente Fähigkeiten besitzen und auf diesem Weg soweit gepuscht werden, dass ihre Eigenarten an die Oberfläche treten. Auf diese Weise erhält er eine Art Eingreiftruppe von Elite-Individuen, die sehr spezielle Fähigkeiten zur Schau stellen. (Aber nichts destotrotz noch kaputter sind, als er.)
Zum anderen tut er das, was jeder durchgeknallte Pseudo-Diktator gerne macht: Er lässt sich einen Harem an Frauen auf der Straße zusammenpicken (und nennt das ganze dann „naturalisiertes Bürgertum“, setzt diese unter Drogen und macht aus ihnen willige Sexsklavinnen, von denen am Ende wohl nur noch leere Hüllen übrig bleiben.
Auf der anderen Seite existiert dann mit Mutter Miyako eine Art gegengewicht zu Tetsuos Reich. Miyako ist, wie wir aus den vergangenen Bänden bereits erkannt haben, ebenfalls ein Individuum mit einem Zahlenbranding in der Handfläche. (Nur anscheinend wohl nicht mächtig genug, um für das Milität von Interesse gewesen zu sein.) Sie scheint mit ihren Anhänger den Opfern der Katastrophe ebenfalls helfen zu wollen, wenn auch mit deutlich weniger Größenwahn, was nichts daran ändert, dass sie ebenfalls von ihren Anhängern als Heiligenfigur angebetet wird.
Dazwischen gibt es allerlei unklares „in den Tag hineinleben.“ Wir beobacht Menschen, die sich einfach nur mit der Situation abgefunden haben und jetzt eine Art flurierende Tauschwirtschaft erschafft haben. (Bargeld ist nichts mehr wert, aufgrund der Situation.)
Die Soldaten der Armee haben größtenteils ihre Würde und ihr Ziel verloren. Einzig der Colonel scheint bei der ganzen Frage hier nach einer Chance zu suchen, dass Chaos wieder zu beenden.
Kei und ihre direkten Freunde versuchen den überlebenden Greisen zu helfen, die irgendwie noch am Leben sind, aber anscheinend schlimmste Qualen erleiden.

Und man erfährt noch angedeutet hier und da ein wenig über die Beziehung zwischen Tetsuo und Kaneda... und das Kaneda wohl die ganze Zeit über von Tetsuo für irgendetwas beneidet worden ist.

Am Ende kommt es dennoch erneut wieder zu größeren Auseinandersetzungen, bei denen keiner so wirklich weiß, was jetzt eigentlich wirklich Sache ist.

Dieser Band hier ist weniger Verwirrend als die Bände bis hier. Auch wenn die Handlung nach wievor verworren ist und man sich die meiste Zeit über fragt, worauf das Ganze jetzt wirklich hinaus will. Ich will es so formulieren: Innerhalb dieses Bandes geht es auf das Aufeinandertreffen zweier absolut unterschiedlicher Ausrichtungen von Religiosität hinaus. Bei der einen stehen die weltlichen Bedürfnisse des Puppenspielers im Fordergrund, der eine sehr effektive Galliosnfigur für die Massen geschaffen hat. Bei der anderen gibt es tatsächlichen diesen aufopfernden Aspekt, der innerhalb der gesammten Hektik tatsächlich versucht den „Gläubigen“ einen Halt zu geben.
Und dazu kommen noch diverse Gedankenexperimente mit ins Spiel, wie die Frage nach dem eigenen Selbstbild, das übrig bleibt, wenn man aus einer sehr strengen Führer-Organisation kommt (der Armee) und plötzlich ohne befehle auf sich allein gestellt ist. (Die Antwort darauf ist in ihrer pessimistischen Darstellung unglaublich überzeugend.)

Fazit

Ich weiß gar nicht so genau, was ich hier sagen soll: Dieses Spiel mit den charakterristiken von Offenbarungs-Kulten ist in gewisser Weise seltsam. Dazu kommt noch die Handlung des kompletten Mangas bis hierhin eben so dermaßen unglaublich Ziellos wirkt. (Respektive: Sehr viel der Handlung eben nur dazu da war, um zu diesem Punkt hinzuführen.) Insofern frage ich mich langsam wirklich, was auf der Metaebene bei diesen ganzen Anspielungen auf verschiedene Thematiken eigentlich gedacht wurde. Ich mag diesen Band zwar, weil er gerade innerhalb der bis hierhin doch sehr verwirrenden Ziellosigkeit aufgrund seiner Gradlinigkeit dann doch wieder hervorsticht, bin mir aber letzten Endes dann doch nicht sicher, ob die Ziellosigkeit bis hierhin jetzt geplant war, um den Leser zu verwirren, oder tatsächlich auf die entsprechende Ziellosigkeit des Autors hinter dem Werk zurückzuführen ist.