Montag, 28. März 2016

Dieser verflixte Moment im Spiel!


„Under Pressure“... ich könnte jetzt darüber schreiben, wie ich mich gerade selbst unter Druck setze, weil mir bis jetzt diesen Monat nichts eingefallen ist, das ich in irgendeiner Weise Spielrelevant für den Karneval der Rollenspielblogs aufbereiten könnte. Und ich habe nur noch eine Woche! In dem Sinne: Endlich ein Grund zur Panik! Los: Panik!

*Klatsch* → Wenn man sich gerade selbst Ohrfeigt.

Also gut, beruhigen wir uns mal eben. Technisch betrachtet gibt es ja durchaus diesen Moment des unter Druck setzens nicht nur hier, während ich Ideenlos gerade einen Bildschirm anstarre und mich frage, was ich für meinen Blog schreiben soll. (Und am Ende dann möglicherweise wieder eine Comic-Rezension raussuche.) Technisch gibt es diesen Moment ja auch im Spiel.

Dazu eine kurze Einlotung meiner eigenen Person für den Augenblick: Ich bin in der Regel auf der spielenden Seite des Spieltischs. Nicht auf der Seite, die eSeLn beschäftigt ist. (Das heißt zwar nicht, dass ich den Job nicht machen würde, aber ich bin nicht unbedingt die erste Wahl auf dem Podest.) Dementsprechend sehe ich meine jeweiligen Aufgaben dann auch an einer anderen Stelle, was das Gelingen des Spieleabends angeht. Als Spielertyp bin ich vermutlich darüberhinaus noch so ein zwischending bei den für einige Leute eher verhassten Einstufungen: Storyteller und Methodactor... und was danach an möglichen Typen noch existiert fällt Prozentual gesehen in einen Bereich, der vernachlässigbar ist. Fakt ist: Ich horte XP, wenn mich die Optionen langweilen, was das Ausgeben anbelangt. Von daher bin ich auch kein Charakteroptimierer an sich. Meine Charaktere bekommen eher aus dem Zusammenspiel mit der restlichen Gruppe ihre Eigenschaften angepasst. (Und das heißt wiederum nicht, dass ich irgendeine Spezialaufgabe übernehme, wenn man sich das klassische Aufgabenverteilungsmuster nach Slot-System ansieht, was im Zusammenhang mit bestimmten D&D-Klassen zuweilen durchdiskutiert wird. Vielmehr kommt es eher vor, dass meine Ragabash im Bereich „Nehmerqualitäten“ hochgezüchtet wird, wenn es sich z.B. aus der Spielsituation heraus ergiebt, dass sie vom Ahroun des Rudels zu Weilen als Punchingball mißbraucht wird... und das kann man ebenfalls mißverstehen, wie ich gerade merke. Verdammt!) Von daher kann man sagen: Charakterklassen sind für mich kein zwingender Teil eines Charakterkonzeptes, sondern nur systemimmanente Notwendigkeiten.

Der Punkt bei der Sache ist, dass all diese kleinen, verdammten Eigensinnigkeiten, die mich als Spieler letzten Endes ausmachen, dann auf einer anderen Seite zu einer Verpflichtung führen: Die Szenen in ihrer jeweiligen Art dafür Großartig machen. (Und das sorgt dann doch wieder ganz schon für Druck.) Der Punkt bei der Sache ist: Jede Szene hat einen eigenen Witz, ein eigenes Moment, das man entweder irgendwie weiter im Flow halten kann... oder aber das Ganze hoffnungslos vermasselt. Der Punkt bei dieser Sache ist dann, dass ich mich in meinem Fall eigentlich in der Regel fast schon dazu gezwungen sehe eben den kleveren Ansatz zu fahren. brilliante Dialoge aus dem Stegreif und fast schon bühnenreife Improvisationseinlagen in den Beschreibungen sämtlicher Handlungen... in meinem Kopf.

Mir ist klar, dass ich keine Darbietungen abliefern kann, die ernstzunehmende Kritiker als gut bezeichnen könnten. Trotzdem ist dort dann dieser Moment, dass ich zumindest das jeweilige Setting zu leben versuche, in einer mehr oder weniger überzeugenden Art. Und das führt zuweilen zu übergroßen Blockaden. Wer meine Kommentiererei im Netz über die letzten Jahre verfolgt hat weiß, dass ich dieses gelebte Setting-Gefühl zumindest für die Logik der World of Darkness im Vampire-Bereich weitestgehend wie die Luft zum Atmen verinnerlicht habe... wobei auch hier gewisse Ausnahmen die Regel bestätigen.

Aber zum Teil blockiere ich mich dann doch selbst auch fürchterlich. Das hat in einer Engel-Runde soweit geführt, dass ich (zur Erleichterung meiner Mitspieler) ausgestiegen bin. Eine Notbremse, die aber etwas sehr Unschönes an sich hat. Bis heute weiß ich aber auch keinen wirklichen Ansatz, um das Problem an sich zu lösen. Sicherlich: Ein Weg währe, einfach das Klischee zu reiten. Aber das hat in manchen Bereichen etwas sehr unangenehmes.

Jedenfalls ist daraus bei mir am Ende eine gewisse Besessenheit zum Kontemporären entwachsen. (Und ein gewisser Hang zur Recherchearbeit.) Hier bei mir liegen einige Bücher rum, die sich entweder Methodisch oder Metaphysisch mit bestimmten Themen beschäftigen. (Unknown Armies ist gewissen Teilen für mich mittlerweile unweigerlich mit Walter Benjamins Aura-Begriff und technischen Details aus Film verstehen von James Monaco verbunden.) Das hilft zwar nicht per se... und es ist auch nicht unbedingt das beste Gesprächsthema überhaupt, Smalltalk über den moralischen Hintergrund von BDSM-Praktiken betreiben zu können. (Auf einer rein theoretischen Ebene.) Aber man kann sagen, dass ich gelegentlich auf meine Weise recht gut vorbereitet bin oder wenigstens die eine oder andere Ungewöhnlichere Lösung für einen Ansatz im Petto habe, wenn ich gelegentlich Pop-Kultur-Zitate auf die eine oder andere Weise heraushaue. (So bestand ein Schlüssel in der Umbra, um einen abgeschirmten Kaern betreten zu können, schon einmal aus einem Puzzle-Spiel, dass aus einem Video-Spiel entliehen war... auch wenn einer meiner Mitspieler bereits am davorgeschaltetem Türwächter-Rätsel aus der Reise ins Labyrinth scheiterte.)

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es gibt auch für mich mittlerweile ein paar Versuchswege, um mich aus dem Situativem Spieler-Druck, den ich mir natürlich selbst verschaffe, zumindest ein wenig zu entwinden. Die bereits erwähnte stärkere Kenntnis über manche Dinge ist ein Ausweg. Der andere ist einfach der Umstand, dass ich über die Jahre neben David Lynch auch noch Quentin Tarantino für mich entdeckt habe und die Meta-Ebene des Werkes von diesen beiden Regisseuren im Hinterkopf zumindest teilweise ein paar Dinge gelegentlich für mich gerade biegen konnten.

Das heißt: Bis jetzt. Das Chaos kommt, dass diesen Umstand nur wieder aufleben lässt. Und das vermutlich garantiert. (Hey, ich arbeite ja schon mit diesem Blog an solchen Sachen, indem ich mich selbst an die Öffentlichkeit zerre.)

Freitag, 25. März 2016

[#pmdd20] „Picture my Day“-Day 20


Heute ist... wahr... wie auch immer, der große Tag der kleinen Banalitäten. Picture my Day... im Grunde habe ich schon eine ganze Weile mit dem Gedanken gespielt wenigstens einmal daran teilzunehmen. Dummerweise wahr ich dann jedes mal zu spät dran, als ich davon erfuhr. Tja, Gestern gab es dann diesen kleinen, zufälligen Kommentar auf Facebook, mit dem ich dann drüber gestolpert bin. Karfreitag ist jetzt nicht unbedingt das spannenste Programm (zumindest nicht bei mir), aber was solls?

Dann hier halt die anhäufung an Bilderstrecken, die ich bis Hierhin verbrochen habe:






Bei Weitem nicht so viel Banalität, wie es eigentlich hätte sein können, merke ich gerade. Aber dann war mein Tag heute dann auch wieder zu unspannend, als das ich da noch großartig viel mehr zu hätte beitragen können. Eventuell klappt das Experiment ja beim nächsten mal besser.

Donnerstag, 24. März 2016

Last day on Earth: Eine Kurzgeschichte

Ich habe vor Jahrenwährend meiner Schulzeit einen Kurs in kreativem Schreiben mitgemacht. ("Literatur" wie man das Unterrichtsfach damals nannte.) Damals sind einige Geschichten entstanden, von denen ich heute aufgrund von Festplattenkrashs und anderen Unfällen eigendlich alles verlohren glaubte. (Von der Tatsache, dass ich damals mit ClarisWorks geschrieben habe, einer obskuren Textverarbeitung, die heute keiner mehr kennt, mal ganz zu schweigen.) Fakt ist jetzt aber, dass ich mehr oder weniger durch zufall neulich ein Forum wiederentdeckt habe, in dem ich seid... 2004, glaube ich, nicht mehr untergekommen war.

Lange Rede, kurzer Sinn: In der Datenbank jenes Forums schlummerte nicht nur mein alter Account noch immer, sondern tatsächlich zwei dieser verlorenen Machwerke, die ich mir sofort auf Festplatte und die Dropbox gezogen habe.
Und da ich diese Woche immer noch nicht ganz mit der Selbstbeweihräucherung durch bin (und dieser Text dann doch zu sehr aus dem Rahmen fällt, was ich sonst am Montag so präsentiere), denke ich mal, dass ich zumindest etwas aus der Vergangenheit ans Licht der Öffentlichkeit wieder zerren kann. (Zumal ich die Geschichte immer noch zu schön finde, um sie nicht zu Präsentieren.)

Naja. Ich hoffe mein damaliges Geschreibsel gefällt euch. (Oder auch nicht.) Falls doch: Hinterlasst einen Kommetar. (Likes kann man hier im Blog ja eh nicht aufzeigen.)

Last Day On Earth (von Hauke Weymann)

Zukunft, unzählige Seiten weiter in dem Buch, welches die Menschen als Zeit bezeichnen.
Die Sonne begann langsam aufzugehen und eröffnete den Blick auf die Landschaft um den Felsen auf dem er stand. Vor Jahren hatte er es ohne technische Hilfsmittel geschafft die Spitze zu erklimmen, eine Aufgabe, für die damals Stunden gebraucht hatte. Heute war er mit dem A-Graf-Jet hierher geflogen, denn in zwei Stunden erwartete man ihn auf der Startbahn im nur einen Katzensprung weit entfernten Europa, das eigentlich auf der anderen Seite der Weltkugel lag. Ihn hatte es hierher gezogen, da er noch einmal, ein letztes mal den Sonnenaufgang an diesem speziellen Ort erleben wollte. Die Strahlen der Sonne spendeten ihm nicht wie sonst Trost, denn in seinem Herzen war dieser Tag ein trauriger. An diesem Tag sollte ein Plan erfüllt werden, der vor 300 Jahren gefasst wurde, vor zwei Menschenleben also, denn dieses Alter konnten Menschen mittlerweile dank des medizinischen Fortschrittes erreichen. Dieser Tag sollte der letzte sein, der letzte Tag, an dem ein Mensch seinen Fußabdruck auf der Erde hinterlassen würde. Die Ausschläge der auf die Sonne ausgerichteten Messstationen waren eindeutig. Die Werte waren vergleichbar mit denen von Beteigeuze vor 1000 von Alpha Centauri Proxima vor 500 Jahren. Damals hatten Tiefraumsonden ihre Messungen zur Erde gesandt, welche nun die Menschheit alarmiert hatten. Es gab tausende von Theorien warum es ausgerechnet jetzt schon so weit war, doch alle kamen auf dasselbe Ergebnis - Sol und ihr System würden in einer Super - Nova untergehen. Dies war der Grund für den Plan, der der Menschheit die Flucht aus der Gefahr, die sie Äonen lang Heimat genannt hatten ermöglichen sollte. Die Erde selbst in ein Generationenschiff zu verwandeln wäre allein vom energetischen Aufwand her unmöglich gewesen. Doch mit Luna, ihrem Äonen alten Gefährten war dies anders. Und so kam es, dass der Mond zum Kern der größten Metallkonstruktion wurde, die je von Menschenhand geschaffen wurde. Sämtliche technologischen Kenntnisse, die die Menschheit je über die Raumfahrt erlangt hatte, wurden genutzt, doch war man sich immer noch nicht sicher, wo die Reise final enden würde. Doch ohne wirkliches Ziel aufzubrechen war schon immer eine Spezialität von Menschen gewesen, die nichts mehr zu verlieren hatten. Doch dass dies einmal auf die ganze Art zutraf, hatte bis jetzt wohl keiner geglaubt. Während dies durch seine Gedanken ging, wandte er sich von der Szene vor seinen Augen ab und ging zurück zu seinem Jet, startete ihn, aktivierte den Autopiloten und gab sich wieder seinen Gedanken hin.
Natürlich hatte es starke Gegenstimmen gegeben, aber um zu retten was zu retten war, musste man alle Menschen dazu bewegen an einem Strang zu ziehen, notfalls auch mit Gewalt. Und so kam es, dass große teilweise auch charismatische Führer, sowohl von politischer als auch von religiöser Seite zusammen mit ihren nächsten Anhängern als geistesgestört in den geschlossenen Abteilungen von Nervenheilanstalten landeten. Der Plan zur Rettung der Menschheit musste einfach funktionieren, und nichts durfte ihm im Weg stehen. Die verhältnismäßig kurze Zeit wurde intensifst genutzt, um Techniken, die unter Umständen für die Reise nützlich wären, zu verbessern. Unzählige Male mussten Wände der Luna aufgerissen werden, um die Lebenserhaltungssysteme zu verbessern. Eine Bordpositronik wurde durch die nächste ersetzt, tausende Systeme aufeinander abgestimmt, genetische Codes, sowohl von Pflanzen als auch von den wenigen noch nicht ausgestorbenen Tierrassen, archiviert. Zilliarden Terrabyte an Wissen auf Kleinstspeichern geladen. Sollte etwas verloren gehen, so nicht weil man es auf der Erde zurückließ. Panik, Angst und Verzweiflung waren aus den Herzen gebannt worden. Hoffnung auf ein Überleben war das einzige Gefühl, das man sich leisten konnte. Und so veränderte sich der Anblick des Mondes im Laufe der Jahre am Nachthimmel in etwas Kaltes, Metallisches zu dem alle hinaufblickten.
Ein riesiges Stück Metall, das er noch früh genug zu Gesicht bekommen würde, seine Gedanken wurden unterbrochen, als er die 1000 Meilengrenze überflog und die Musik von "Radio verlassene Erde" aus dem Funkempfänger zu dröhnen begann. Dies war die Idee eines Mitglieds seines Teams, das im letzten Transporter die Erde verlassen würde. Dieselbe Person nannte sie auch das "Der-letzte-macht-das-Licht-aus"-Team. . Es ist erstaunlich, dass der Mensch selbst in solchen Situationen noch zu Dingen wie Ironie und Sarkasmus fähig ist. Jedenfalls hatte dieser "Garantiert letzte Radiosender auf Erden" vor ungefähr einer Woche damit begonnen, die Starts der einzelnen Transportschiffe mit der entsprechenden Vergiftung des Äthers mit Musikstücken, die teilweise aus längst vergangenen Jahrtausenden, die entweder düsterer oder melancholischer Stimmung waren, zu begleiten. Dieser "Radiosender" würde zumindest mit dem letzten Start damit anfangen die Klappe zu halten. Wie lange war das noch? - Eine Stunde! - Während er seinen Gedanken nachgegangen war, waren die Lichter des Transporters auf dem improvisierten "Spaceport Ramstein" am Horizont erschienen und kamen mit unglaublich hoher Geschwindigkeit näher. Schon konnte man Details wie einzelne, erleuchtete Luken und Menschen auf dem Landefeld erkennen, welche im Scheinwerferlicht damit beschäftigt waren, letzte Container an Bord des metallischen Himmelsgiganten zu schaffen.
Giganten des Himmels, ja das waren diese Transportschiffe, von denen jedes mehrere Tonnen Güter und bis zu dreihundert Menschen auf einmal zur Luna transportieren konnten, wo sie schließlich als Tochterschiffe angedockt die Reise mit antreten würden. Wenn der titanische Antrieb des Mondes anspringen würde, würde man ein letztes Mal das Gravitationsfeld der Erde nutzen, um sie endgültig zu verlassen.
Nun war es soweit: Stunde X. Er und sein Team betraten den Transporter, der die letzten 50 Menschen vom Planeten brächte und damit das Kapitel Erde im Buch der Menschheit endgültig beendete. Sie suchten ihre Plätze auf, welche allesamt einen Ausblick durch die Luken boten. Neben ihm saß der unentwegt in ein Headmikro plappernde "Radio - Mensch". Schließlich war es dann soweit. Es begann mit lautem Gekreische der anspringenden Maschinerie, gefolgt von der Druckwelle plötzlich freigesetzter Energien, welche sie abheben ließen.
Danach dauerte es nur Minuten und sie hatten sie erreicht - die ewige Nacht des Universums. Er achtete nicht darauf, wie neben ihm das Radioprogramm mit den Worten - "Es ist soweit meine Damen und Herren: Der Mensch hat die Erde verlassen! Also, lasst uns ein letztes Mal die Gläser auf sie anheben - Prosit Mr. Booze." - eingestellt wurde. Er sah nur hinauf, hinauf zu dem Totenschädel ähnlichen Metallgebilde der Luna - dem einstigen Mond der Erde.

Mittwoch, 23. März 2016

1W100 Filme, bei denen Freunde gefahr laufen, sie von mir zum Geburtstag geschenkt zu bekommen.

Ich liebe Filme. Und ich bin der Meinung, dass es bestimmte Filme gibt, die man als Menshc gesehen haben muss. Und zwar, weil sie besonders Herausragende Beispiele des Mediums Film sind. Und diesen Umstand mussten in den letzten Jahren auch einige Freunde von mir erfahren.
Kurz gesagt: Wenn ich ein Buch oder eine DVD verschenkt habe (und vorher nicht wusste, dass die entsprechende Person diesen speziellen Gegenstand tatsächlich sich dringend wünschte) so handelt es sich dabei nicht um ein „last minute“-Geschenk, wie es bei diesen Medien eigentlich üblich zu sein scheint (wie ich neulich in einem Radio-Interview eine Buchhändlerin mal habe sagen hören), sondern ein von langer Hand geplante Handlung, die einem Statement gleichkommt. (Sprich: Ein Film, den ich verschenke, ist ein Film, den ich empfehle. Ich stehe also in gewisser Weise hinter meinen Geschenken.) Aber weil ich ja nicht auf jedermanns Geburtstagsfeier tanzen kann (jaja, ich und tanzen ist wieder ein anderes Thema) gibt es jetzt eine Liste mit Filmen auf der man Würfeln kann, die zu 100% Orakel-Approved worden sind.

001: Ghost in the Shell: Tokyo in einer nicht ganz so fernen Zukunft. Mit Ghost in the Shell wurde die filmische Umsetzung einer Kult-Miniserie aus dem Manga-Bereich von Masamune Shirow im Jahre 1995 selber zu einem der vermutlich am meisten Rezipierten Anime überhaupt. Letzten Endes spielt die Geschichte rund um den Fall des Puppet Masters um eine zentrale, philosophische Frage: Was ist Identität? Was macht sie aus und wie entsteht ein Individuum letzten Endes? Gerade weil die Hauptfigur Motoko Kusanagi in diesem Film mit dem großen Gegenspieler eine Verbindung eingeht aus der anschließend ein neues Wesen entsteht wird dieser Film so unglaublich spannend und interessant. Es fehlt hierbei eigentlich nur ein kleiner Schritt, der die hier erzählte Fragestellung in die transhumanistische Richtung gelenkt hätte. (Und der Film verzichtet glücklicherweise auf die endlos nerftötenden Fuchikomas.) Auf diese Weise ist gerade Ghost in the Shell einer der Filme die man gesehen haben muss, selbst wenn man nichts mit der gesammten japanischen Filmtradition der Anime anfangen kann.

002: Terminator: Einer der prägenden Science Fiction Klassiker, mit denen James Cameron die Film-Welt prägte. Technisch betrachtet wird hier absurderweise ein Zeitparadox geschaffen, weil nie wirklich geklärt wird, wer zuerst da war: Kyle Reese oder John Connor. Aber letzten Endes wird hier die Urangst überhaupt thematisiert, mit der wir Menschen schon seid längerem zu kämpfen haben: Wird sich unser Gott-Komplex irgendwann gegen uns wenden, weil die von uns geschaffenen Wesen gegen ihre Schöpfer rebellieren? Die Tatsache, dass eine Künstliche Intelligenz in einem Krieg gegen die Menschheit nicht nur ihre eigene Gegenwart zu einem Schlachtfeld verändert, sondern am Ende aus der gesammten Geschichte einen Zeitkrieg macht ist wirklich beängstigend. Und das hier war zu jenem Zeitpunkt die Rolle, die dem noch sehr jungem Arnold Schwarzenegger wie auf den Laib geschneidert war: Eine emotionslose Killermaschine, die lediglich die Erfüllung ihrer Aufgabe kannte und am Ende als metallgewordener, untoter Albtraum ihr Ende in der Schrottpresse fand. (Überhaupt spielt die Ganze Ästhetik in den wenigen Szenen, die die Zukunft zeigen sehr stark mit diesem Umstand, dass die Maschinen ihre Krieger im wesentlichen auf das allernotwendigste Reduziert haben und dadurch die Ursangst des Menschen vor den Toten ansprechen.)

003: Terminator 2: Judgment Day: Und direkt der zweite Teil der Reihe. Technisch geht es hier weniger um die Geschichte, als viel mehr um die Tatsache, dass der zweite Teil die Möglichkeiten Computergenerierter Special Effects aufs äßerste treibte und aufzeigte, was diese im Stande sind zu vermögen. Bis Heute gelten die Szenen, in denen der T-1000 sich immer wieder in flüssiges Metall umwandelt, um seine Form zu ändern zu Recht als die beeindruckensten Momente der Filmgeschichte. Aber auch die jeweiligen Momente, mit denen der T-800 sich allmälig zu menschenähnlicherem Verhalten hinreißen lässt, sind immer noch sehr schön. (Letzten Endes dürfte es wohl das sein, was bei „Genesys“ am Ende aus der gealterten T-800-Einheit einen akzeptablen Vaterersatz für die Sarah Connor der neuen Zeitlinie gemacht hat.)

004: Der Sinn des Lebens: Wenn die britische Kulttruppe Monthy Python Filme ihre Witze produziert hatte, dann handelte es sich dabei in erster Linie um etwas schwer greifbares. Sie waren im hohen Maß Satirisch, aber ohne gezielte Pointe, die einem mit der Holzhammermethode zwang „Das hast du jetzt lustig zu finden, also lach!“. Viel mehr feuerten sie immer wieder einzelne Ideen ab, die auf die eine oder andere Weise in einer eigenen, aber streng asosoziativ gehaltenen Erzählweise ihre jeweiligen Themen aufbereitet hatten. Der Sinn des Lebens ist deswegen mMn der Film, den man auf jeden Fall dabei gesehen haben muss, weil er, anders als z.B. „Die Ritter der Kokos-Nuss“ keine all zu stark ausdiverenzierten Längen aufweist, welche äußerst langatmig sein können.

005: Reise ins Labyrinth: Eine der beiden Jim Henson Produktionen, die mir aufgezeigt haben, wie lebendig Puppen auf Film letzten Endes wirken können. (Und die immer noch die sehr unlebendig wirkenden CGI-Figuren, die Heutzutage so sehr in Relafilmen beliebt sind, in den Schatten spielen. Schon allein die Interaktion von Schauspielern zu Puppen macht die entsprechenden Szenen lebendiger, während man bei CGIs dann doch meistens das Gefühl hat, dass die Leute selbst nicht so genau wissen, wie sie mit der leeren Luft vor sich umzugehen haben.
Ach ja: Und David Bowie als finsterer Koboldkönig Jareth ist bis heute ein unvergleichlich charismatischer Antagonist, der aber streng nach den Prinzipien seiner eigenen Geschichte leben muss. Es ist einfach nur ein wunderschöner Film im Ganzen.

006: Der dunkle Kristall: Wenn wir schon bei Jim Hensons Puppenspielern sind, darf darunter natürlich nicht der große Märchenfilm fehlen, der tatsächlich nur die Puppen Aufführt, welche die Truppe rund um Jim Henson so berühmt gemacht haben. Das finstere Märchen in einer Welt, die nur noch verzweifelt auf die Heilung wartet, welche die beiden absolut wiedersprüchlichen Rassen der Skekse und der Uru wieder vereint ist bis Heute für mich einer der schönsten Fantasyfilme, die es da draußen gibt.

007: Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens: Natürlich darf der erste Vampir-Film, der darüber hinaus noch ähnlich Stilprägend für sein Medium war, wie es sein literarisches Vorbild, Bram Stokers Roman Dracula, ebenfalls gewesen ist, hier nicht fehlen. Der Film ist von den Sehgewohnheiten für unsere heutige Zeit vermutlich nur sehr schwierig zu ertragen, weil man sich hierbei wirklich zwingen muss, der Handlung zu folgen. (Aber das ist ein Problem, dass so ziemlich alle Filme des deutschen Expressionismus haben dürften: Als Stummfilme der Schwarz-Weiß-Ära waren die Filmemacher gezwungen eine andere Art von Bildsprache zu entwickeln. Und in genau dieser Tradition ist auch der Film Nosferatu zu sehen. Was man hier erlebt sind Monochrom eingefärbte Filmstrefen, die zusätzlich zum jeweiligen Ausdruck der Schauspieler alles waren, was Informationen vermitteln konnte.) Und was ich hierbei noch sagen kann: Derzeit kriegt man die vermutlich Origialgetreueste, Restaurierte Fassung auf DVD, seid sich die Murnau-Stiftung dem Film angenommen hat. Mein Exemplar ist noch eine beritische Fassung, die Anfang der 2000er-Jahre als die Beste galt, obwohl sie einen neuen Soundtrack bekommen hatte und die Dialog-Zwischeneinblendungen in computergeneriertem Gruselfonts dargestellt wurden.
Besonders wichtig dabei bleibt aber: Der von Max Schreck dargestellte Graf Orlock ist der allererste Vampir gewesen, der bei Kontakt mit Sonnenlicht in Flammen aufging. (Insofern ist der Mythos, dass Vampire in Flammen aufgehen, ein Kind des 20sten Jahrhunderts. Eine Erfindung des Films. Dieses Films, um genau zu sein.)

008: Funny Games: Ich mag Horror-Filme, wie einige bereits wissen dürften. Und dieser Film von Michael Haneke aus dem Jahre 1997 dekonstruiert dabei ein ganzes Sub-Genre auf die wichtigste Elemente. Die beide Täter Peter und Paul, welche in geradezu klassicher western-darstellung der White Hats einlass in das Ferienhaus einer Familie erschleichen und anschließend den vermeitlich, typisch piefig-spießbürgerlichen Frieden in einen Albtraum verwandeln, der nur tödlich enden kann, führt dem jeweiligen Zuschauer nur all zu gut vor Augen, auf wessen Seite der Anklagebank er sich selbst befindet. Hierbei wird die komplette Methodik des voyeuristischen Blicks aufgezeigt, bis zu dem Punkt, dass die Fernbediehnung den Film zurückspuhlt und den jeweiligen Wünschen entsprechend noch dramatischer Ausfallen lässt. Insgesamt ist der Film in meinen Augen dann aber doch zu sehr eine Metha-Kritik am Slasher-Genre, als am dazugehörigen Metagenre des Splatter-Movies allgemein.

009: Psycho: Und wenn wir schon bei dem Meta-Entschlüsselung des Slasher-Movies sind darf natürlich auch nicht einer der beiden Filme auf dieser Liste fehlen, welche letzten Endes das Slasher-Genre als solches Inspiriert haben. Alfred Hitchcock gelang mit Psycho und der Geschichte rund um den Hotelbetreiber Norman Bates, der in einer einer geradezu ödipuskomplexbelasteten, inzestuösen Verehrung seiner Mutter der Frau nach ihrem Ableben einen neuen Körper schenkte und sich selbst dafür aufgab, ein Meisterhafter Film, der gerade wegen seiner Duschszene diesen unglaublichen Kultstatus verdient hat. Wer von sich sagt, dass er keine Horror-Filme mag, muss wenigstens diesen Film gesehen haben.

010: 12 Monkeys: Bruce Willis erlebt, was es bedeutet, wenn etwas passiert, weil es passiert ist und genau deswegen auch wieder passieren wird. Dieser Zeitreise-Science Fiction-Film, bei dem das Monthy Python-Mitglied Terry Gillians Regie führte ist ein Film, der einige Überraschungen bereit hält. Auch wenn die zentrale Pointe letzten Endes darauf hinaus läuft, dass die entsprechende Person seid frühester Kindheit von Visionen seines eigenen Todes heimgesucht wird. (Und ja, hier Spoilere ich jetzt ganz ungeniert.)

011: Metropolis: Und das währe jetzt der zweite und letzte Film auf dieser Liste, der den deutschen Expressionismus betrifft. Fritz Langs Film über einen Androiden, der die Arbeiterklasse in einer finsteren Zukunft in den Untergang führen soll ist nicht umsonst eines der am häufigsten zitierten Stilikonen der Popkultur geworden, welches mehrere Musikvideos, aber auch die komplette Ästhetik der Cyberpunk-Filme mitgestalltet hat.

012: Repo! The genetic Opera: In gewisser Weise ist dieser Film ein Zwischending zwischen verschiedenen Streifen. Als Musical-Film in klassicher Tradition mit der Rocky horror picture show vergleichbar, spielt das Ganze in einer cyberpunk-ähnlichen Zukunft, setzt den Fokus aber eindeutig in den Stilmitteln des Slasherfilms. Das Anthony Steward Head singen kann, war spätestens seid Buffy schon länger klar. Das er aber schon immer einen tragischen Bösewicht abgegeben hat, sieht man spätestens hier.

013: Aristocats: Ich mag die klassichen Disney-Zeichentrickfilme. Dementsprechend sind natürlich ein paar davon ebenfalls auf dieser Liste hier. Und gerade die Geschichte rund um eine Katzenfamilie als Haupterben, die von einem grießgrämigem Butler aus dem Weg geschafft werden sollen, hat mich seid je her irgendwo berührt und gehört zu den Filmen, die ich immer am liebsten aus dem Regal nehme, wenn mir nach Disney ist.

014: Memento: Dieser Thriller von Christopher Nolan hat es in sich. Da die Hauptfigur nur in fragmentarischen Momenten ohne direkte Vergangenheit lebt, verliert er sich am laufenden Band von Szene zu Szene. Eine Falle, die er eigentlich stellte, wird mit einem mal für ihn selbst zum Problem und so weiter... und das alles nur deswegen, weil er selbst verzweifelt versucht den Mörder seiner Frau zu fangen, durch den er letzten Endes selbst in diesem Zustan dgestrandet ist. Der Film ist erst einmal unglaublich verwirrend und entwickelt erst mit der Zeit seinen ganz besondern Charme, begeistert dann aber ungemein.

015: The Shining: Damit währen wir jetzt beim ersten Film auf dieser Liste, bei dem Stanley Kubrik Regie führte. Das Familiendrama rund um einen alkoholkranken Vater, der in einem vom Bösen heimgesuchten Hotel den Verstand verliert wurde nicht umsonst durch eine der ikonischsten Szenen der gesamten Filmgeschichte berüchtigt. Zwar mag Stephen King diesen Film nicht, aber letzten Endes hat er dabei am wenigsten wirklich guten Geschmack bewiesen. „Here comes Jonny!“

016: Edward mit den Scherenhänden: Tim Burton und Jonny Depp: A match made in Heaven. Hier haben wir eine der ersten Kooperationen zwischen diesen beiden Ausnahmepersohnen der Filmbranche. Und dabei zeitgleich auch eine der besten Persiflagen auf die Moral der USA innerhalb der 50er-60er Jahre mit aller ihrer Oberflächlichkeit.

017: Batman (1989): Apropos Burton. Als alter Comicfan mag ich natürlich auch die entsprechenden Filme, die in dem Bereich gemacht wurden. (Auch wenn sie in letzten Zeit ziemlich übertrieben zugenommen haben.) Doch Burton hatte 1989 bereits einmal einen Film mit dem dunklen Ritter gedreht, der in diesem Fall mit Jack Nicholson einen äußerst charismatischen Joker vorgewiesen hatte. Die hier zugrunde legende Angst ist der Wahnsinn, der sich hinter Gangkriegen verborgen hatte mit ihren Drive-by-Shootings und vergleichbaren Problemen. Aber: Die übertriebene Ästhetik dieses Jokers, der sich als totalen Künstler verstand und noch den Wahnsinn von Lächle-Gut-Gift mit sich führte, um auf diese Weise die ganze Stadt Gotham in ein Ebenbild seiner Selbst zu bringen kann man nicht ignorieren.

018: Batmans Rückkehr: Nein, wir sind noch nicht am Ende der Batman-Filme angelangt. Aber das ist der letzte Batman auf dieser Liste aus dieser Generation. Michelle Pfeifer als Catwoman bleibt einfach unvergessen und Danny de Vito als Oswald Cobblepod macht diesen Film zu dem skurilen, beängstigenden Werk, dass man einfach nicht vergessen kann.

019: Eraserhead: Der frühest denkbare David Lynch Film, den es gibt. Hier zeigte Lynch zum ersten mal all sein können für diese surreale Erzählweise mit ihrem ständigen Wechsel zwischen Assoziation und traumartiger Vision. Der ständige Wechsel zwischen den Realitätsebenen verstört ungemein und lässt am Ende einfach kein Auge trocken, wenn es um die Frage geht, was jetzt Wirklichkeit ist und was Alptraum.

020: Blade Runner: Harrison Ford als Rick Deckard in der Verfilmung des Phillip K. Dick Romans „Do Androids dream of elektrik Sheep?“, mit der Ridley Scott einen weiteren Kult-Film produziert hat. Die Geschichte hat sehr viele Film Noir-Elemente und spielt zeitgleich mit der ständigen Frage, ab wann man von Leben sprechen kann. Und ob eine Gruppe von Leben dabei ein mehr an Recht aufweisen könnte, als es andere tun.

021: Sin City: Wo wir gerade bei Film Noir sind. Diese Verfilmung des Comics von Frank Miller ist eine der schönsten Omagen an eben jene schwarze Serie der 1940er und 50er Jahre. Die Geschichte ist dicht und in aller Brutalität im kriminellen Millieu verwoben. Und zu allem überfluß gibt es hier kein Gut und Böse, sondern nur Graustufen, da jede einzelne Figur ihre eigenen, nachvollziehbaren Ambitionen hat. (Und gerade Bruce Willis hat eine besondere Szene, die darüber hinaus eine unvergessliche Catchphrease mit „An old man dies, a young gril lives. A fair trade.“ abbekommen hat.)

022: Alien: Und nochmal Ridley Scott. Aber auch H.R. Giger. Und ja: Hier ist nur der erste Film dieser Reihe mit gemeint, weil bereits der zweite Teil zum in der Pfeife rauchen war. Das Alien, das Giger für diesen Film entworfen hatte lebte gerade davon, dass man es nicht sah, sondern die meiste Zeit nur erahnte. Und das sorgte dafür, dass man Angst vor diesem „überlegenen Jäger“ hatte, der für sein eigenes Überleben jede Form von anderem Leben verschlang. (Und damit nur all zu stark zu einer analogie auf unser eigenes, unreflektiertes Fehlverhalten wurden.)

023: Scream: Wes Craven erfand 1996 das Slasher-Genre neu. Und dekonstruierte dabei große Teile des klassischen Horror-Films auch noch mit. Das muss nicht jedem gefallen, macht aber zumindest den ersten Teil der Scream-Reihe sehr sehenswert, weil hier im Film kritisch mit den klassischen Tropes aller anderen Slasher-Filme verfahren wurde.

024: Halloween: Ich versuche gerade die Horror-Filme nicht zu sehr überhand nehmen zu lassen, aber dieser hier muss ebenfalls auf die Liste, da er letzten Endes alles ins Rollen gebracht hat. Michael Myers, ein psychopathischer Massenmörder, der in frühester Kindheit seine komplette Familie umgebracht hat und nun, Jahre später, noch einmal die Stadt seiner Kindheit heimsucht. Diesmal aber zu einer Ikone schlechthin wird.

025: Nightmare on Elmstreet: Eins, zwei, Freddy kommt vorbei. Der erste Auftritt von Jonny Depp auf der großen Leinwand. Und ein absolut Herzloser Täter der seine Opfer in einem Zustand, in dem sie eh absolut hilflos sind, gnadenlos abzuschlachten: In ihren Träumen.

026: Oliver & Co.: Der andere Disney-Film mit der Katze. Ich liebe diese Geschichte um einen Haufen tierischer Kleinganoven mit großen Herzen, die gezwungen sind zu Helden zu werden.

027: Lost Boys: Ich glaube, dass es etwa drei Vampir-Filme gibt, die (hoffentlich) für sich betrachtet Stilbildend sind und waren. Einer war Nosferatu. Der zweite ist Lost Boys. Dieser Film, der 1987 herauskam und Kiefer Sutherland zumindest an der Oberfläche als den großen bösen, aber Charismatischen Rudelführer einer Gruppe Vampire-Outsider präsentierte, die eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzen, ist vermutlich für sehr viele Fans des Rollenspiels Vampire: The Masquerade eine der ganz großen Inspirationsquellen gewesen. (Es gab noch zwei nachfolgende Teile, aber ich habe bis jetzt nur des Zweiten gesehen, der bis auf surfende Vamprie und blanke, weibliche Brüste nicht wirklich irgendeinen Mehrwert beitragen konnte und daher eindeutlich schlecht bis Überflüssig ist.) Der erste Teil aber ist definitiv sehenswert.

028: Pulp Fiction: Der zweite Film von Quentin Tarantino, dem alten Film-Nerd. Unglaublich seltsame Dialoge, die das tragende Element des gesamten Filmes sind. Unglaublich starke figuren und eine fragmetnarisch, nicht lineare Erzählreihenfolge. (Ach ja: Und obwohl es hier die ganze Zeit um „böse“ Charakterfiguren geht, gibt es so etwas wie eine moralische Kartasis. Nicht zuletzt, weil gerade John Travoltas Figur bis zum Ende nicht begreift, das es seine niederen Triebe sind, die ihn in Probleme bringen.

029: From Dusk Till Dawn: Und nochmal Tarantino. Ich halte den Film jetzt nicht für dermaßen Überragend, dass er als Vampir-Film wirklich gesehen werden muss. Aber als Tarantino-Film (wenn auch Tarantinos Bruder im Geiste, Robert Rodriguez, auf dem Regiestuhl platz genommen hat) ist das wirklich nur ein weiterer Kult-Film überhaupt. Nicht zuletzt haben mehrere Dialog-Teile zu recht ihren Platz in der heutigen Umgangssprache festzementiert.

030: Star Wars IV-VI: Hier wird es jetzt gerade ein wenig komplizerit, da dieser unfähige Dummkopf George Lukas nicht nur Star Wars durch eine niemals nimmer nicht veröffentlichte Prequel-Trilogie verunstaltet hatte, die durch ein mieses Drehbuch und unfähige Schauspieler nur so triefte (und bei der auch Christopher Lee nichts mehr hätte retten können, wenn es diese Trilogie denn jemals gegeben hätte), nein: 2004 war George Lukas auch noch der Ansicht an seiner gelungenen Trilogie herumzudoktorn und sie in eine absolut hochnotpeinliche Persiflage des ursprünglichen Erfolg dahinzurotzen. (So das diese Disks maximal als Tassenuntersetzer taugen.) 2006 gab es dann eine sehr Lieblos gemachte halbwegs schlechte Umsetzung der eigentlichen Trilogie auf DVD, bei der aber immer noch der Rotze von 2004 als verhönung des Kunden dabei lag. Insofern wäre ein solches Geschenk eine angebrochene Packung der 2006er-Sonderedition, aus der aber die Tassenuntersetzer im Vorfeld entfernt wurden. (Diesen Dreck kann ich beim besten willen nicht verschenken.)

031: Christopher Nolans Batman-Trilogie: Hier haben wir eine Anssamlung von Filme, die ein bestimmtes Thema über den Verlauf mehrerer Jahre erzählen. (Also Aufstieg und Fall des dunklen Ritters. Vom Vigilanten zum Staatsfeind Nr. 1 zum tragischen, das finale Opfer bringenden Helden.) Insofern macht es einfach keinen Sinn diese sehr Sehenswerte Filmreihe in einer anderen Form als einer Trilogie-Sammelbox weiterzureichen.

032: Matrix: Ein genialer erster Teil über das erwachen der Menschheit, nachdem sie Jahrhunderte(?) lang von den Maschinen als lebende Bio-Batterien misbraucht worden ist. Dieser Film brachte damals einen haufen Special Effects ins Spiel, die leider danach bis ins letzte Missbraucht und persifliert wurden. Nichtsdestotrotz ist gerade dieser erste Teil ein Teil, den man unbedingt gesehen haben muss. Nicht zuletzt wegen der absolut genialen Schlußszene, wo Neo an einer Telefonzelle in der Matrix den Maschinen den Kreig erklärt.

033: Pale Rider: Wechseln wir einfach mal willkürlich das Genre. Pale Rider ist einer von sehr wenigen Western, die ich mag. In diesem Fall spielt Clint Eastwood einen Typischen Revolvermann, der durch den Prediger-Kragen allerdings als „The Preacher“ bezeichnet wird und zumindest Anfangs in diesem seltsamen Wechselspiel irgendwo zwischen Ablehnung und peinlicher Bestürzung erfährt. Am Ende allerdings tut er das, was solche Menschen am besten können: Er ist der Mann fürs Grobe, welcher nach vollendetem Blutbad schweigend die Stadt verläßt, damit die „Guten“ nicht vom „Bösen“, das er darstellt, infiziert werden.

034: Underworld: Ja, es gibt hier ein paar Vampir-Filme, wenn auch nicht alle besonders dabei hervorgehoben werden, was die besondere Stellung für das Genre darstellt. Underworld war (zumindest für mich) diese eine Reihe, die meine damals schon langsam hochkommende Begeisterung für das Genre Vampirfilm verfestigt hat. Die Geschichte um einen seid Jahrhunderten währenden Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen, der vor allem aus Verrat und Intrigen künstlich am Leben gehalten wurde, war etwas besonderes. Nicht zuletzt wegen Kate Beckinsale und einer ganzen Reihe sehr Badass-wirkenden Action sequenzen. Sehenswert, aber hoffentlich nicht Stilbildend für die Zukunft.

035: Only Lovers left alive: Diese Aufgabe hat meine Aufgabe nämlich letzten Endes „Only lovers left alive“ von Jim Jarmusch inne. Eine Geschichte über zwei Wesen, die sich scheinbar immer wieder über Jahrhunderte finden und aus den Augen verlieren, jedoch fest zusammengehören. Einer von beiden spielt scheinbar mit dem Gedanken an der Möglichkeit sein dasein auf immer zu beenden. Und dazu kommt dann das ganze Leben der in einer Welt, die von den Menschen immer mehr zerstört wird. Das Ganze wird dabei mit einem ganzen Haufen esoterischen Geschwurble, wie Teslas universaler Elektrizität oder der geheimen zweiten Identität von Christopher Marlow (übrigenz genial dargestellt von niemand anderem als Wardoctor John Hurt). Die Vampire versuchen ihr Leben zu leben, weil sie gezwungen sind den Menschen dabei zuzusehen, wie sie ebenfalls immer mehr zu Parasiten werden. Und dazu kommen unmengen wunderschöner Bilder eines heruntergekommenen Detroids. Überhaupt lebt der Film gerade von eben diesen Bildern.

036: Die fabelhafte Welt der Amélie: Ein wunderschöner, geradezu märchenhafter Film über eine Frau, die zu einem Feenwesen wird, um anderen Menschen zu ihrem Glück zu verhelfen. (Unter anderem kommt ein Gartenzwerg vor, der um die Welt reist.) Dabei aber irgendwann sich selbst die Frage stellen muss, wie ihre eigenes Glück aussieht.

037: 2001: Odyssee im Weltraum: Es ist wieder Zeit für einen Kubrik. Diesmal geht es um den Science Fiction Film überhaupt. Hierbei wird in nur wenigen, sehr beeindruckenden Szenen beschrieben, wie ein schwarzer Monolyth einem Stamm primitiver Affen zuerst den Krieg mit Werkzeugen lehrt und dann in einem Bildschnitt zu den Sternen führt. Was danach kommt ist ein Wahnsinniger Computer, der häufig genug mit der Fima IBM assoziiert wird und eine der anstrengensten Szenen, in der ein Mann einfach so sich immer wieder überschlagend durch den Weltraum dem sicheren Tod entgegen davonschwebt. Wobei der Computer gegen Ende noch digitale Demenz entwickelt.

038: Hellraiser – Das Tor zur Hölle: Das hier ist jetzt ein wenig kompliziert. Und ich weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt erklären kann, was mich an diesem speziellen Horror-Film so sehr fasziniert. Hellraiser besticht durch eine sehr ungewöhnliche Ästhetik und die Tatsache, dass die hier vorkommenden Dämonen zumindest im ersten Teil durch eine sehr komplizierte und ungemein eigenwillige Logik zu funktionieren scheinen, hat mich immer wieder überrascht. Leider ist das wieder mal einer dieser Filme, wo jede Fortsetzung einfach nur überflüssig ist.

039: Spiel mir das Lied vom Tod: „once upon a time in the west“. Oder die Geschichte von Frank, der ohne es genau zu wissen, warum, von einem Namenlosen Mutamonika-Spieler heimgesucht wird. Spiel mir das Lied vom Tod ist letzten Endes die Geschichte vom Ende des Wilden Westens. Die Eisenbahn erreicht die letzten, nur spärlich besiedelten Landstriche und sorgt auf diesem Weg dafür, dass die Ära der Revolverhelden endgültig ein Ende findet. Die Zivilisation hat gesiegt! Und letzte Rechnungen müssen daher genau jetzt beglichen werden. (Außerdem verlohr Henry Fonda durch diesen Film seine bis dahin geltende Rolle des gütigen Familienvaters, da seine Himmelblauen Augen mit einem mal zu etwas eiskaltem durch Sergio Leone umgedeutet wurden.)

040: Figth Club: Wer hätte gedacht, das sich ausgerechnet so ein Schönling wie Brad Pitt, der in den 90ern noch eine absolute Peinlichkeit war, dermaßen über die Jahre hätte Mausern können. 1999 brachte David Fincher die Verfilmung des bis dahin noch unveröffentlichten Romans von Chuck Palahniuk raus. Dazu – so die Sage – belog er seine Geldgeber bis zur Postproduktion, wo zu viel Geld in das Projekt geflossen war, um noch einen Rückzieher zu machen. Und der Rest sollte zur Legende werden. Ein Namenloser Protagonist, der unter entsetzlichen Schlafstörungen leidet, begegnet einem Mann namens Tyler Durden, der von da ab die zentrale Figur in seinem Leben wird. Gemeinsam suchen sie etwas ursprüngliches und entdecken diesen Umstand in der Rohen gewallt, während sie ansonsten auf jegliche Form von guten Manieren pfeifen. (Durdon mehr als der Erzähler.) Es beginnt ein Rachefeldzug gegen das System der damit anfängt, dass in Familienfilmen einzelne Frames gegen die Bilder aus Hardcore-Pornos ausgewechselt werden und schließlich das Terrorristische Ideal einer Tabula Rassa erreicht werden soll.
Ach ja: Und ein Happy End gibt es auch. (Das sehr sehenswert ist.) Allerdings lebt der Film weniger von der Handlung, als viel mehr von den Absichten der einzelnen Figuren hinter diesen Handlungen.

041: Mulholland Drive – Straße der Finsternis: Ihr habt nicht wirklich erwarte, dass auf einer solchen Zufallstabelle nur ein Lynch-Film vorkommt, oder? Natürlich muss auch der Film von 2001 hier sein. Eine Geschichte um von Liebe, Eifersucht und Mord. Zwei Frauen begegnen sich. Zuerst in einer sehr Bodenständigen Situation, in der die eine das Gedächtnis verloren hat. Was dann folgt ist der typische Mindfuck, für den man Lynchs Filme so liebt. Hierbei wird nicht nur eine mysteriöse Geschichte erzählt, es welchseln auch Rollen und Geschichten, die erzählt werden. Und immer wieder scheint es um betrogene Liebesverhältnisse als eine Konstante in der ganzen Geschichte zu gehen. Absolut verstörend, immer wieder creepy.

042: End of Days: Arnold Schwarzenegger in einer Rolle, die seine Rolle im Film eigentlich bis aufs Wesentliche demontieren sollte. In End of Days geht es um die Idee der Apocalypse. Das der Bestie ein weiteres Wesen folgen soll. In gewisser Weise spielt End of Days dabei mit der Idee, dass der Sohn Gottes einen Gegenspieler bekommen wird, der das Ende aller Tage einleiten wird. Dafür erscheint der Teufel höchst persöhnlich auf der Erde, übernimmt den Körper von Gabriel Byrne und macht sich auf die Suche nach einem Mädchen, das direkt bei der Geburt mit Schlagengift für ihn geweit worden war. (Und ja: Eigentlich dreht sich hier alles darum, dass langfristig darum gestritten wird, dass besagte Dame, gespielt von Robin Tunney, nicht vergewaltigt wird.) Der Film lebt von sehr vielen Special Effects, die sehr passend sind. Was ihn aber so besonders macht ist die Szene, in der Arnold Schwarzenegger das Werkzeug seines Heldendaseins, seine Waffe, wegwirft, weil sie ihm in dieser speziellen Situation gegen diesen speziellen Gegener eben nicht weiterhilft. (Und ja, dass ist sehr Meta, von der Betrachtung her.)

043: Das fünfte Element: Zugegeben... ich mag die „Resident Evil“-Filmreihe. Ich finde sie nur nicht überragend. Und gerade wenn es um Mila Jovovich in unzureichender Bekleidung geht, kann man diesen Science-Fiktion-Film von Luke Besson wesentlich mehr empfehlen. Bruce Willis spielt mal wiede ein kleines Licht von der Straße, dass langfristig ganz groß Raus kommen muss. Außerdem wird Gary Oldman mal wieder als der Bösewicht bemüht, es gibt den ersten schwarzen Präsidenten in überragender Stellung und am Ende gibt es eine gewalltige Space Opera, die durch das gesammte Universum reißt. Einzig und allein auf der verzweifelten Suche nach allen Elementen, die benötigt werden, um das Böse(TM) daran zu hindern einen mystischen Weltuntergang herbeizuführen. (Und es gibt fliegende Autos.)

044: The Sixth Sense: Auch wenn Shamalahdigsdabums als Regisseur leider auf ein bestimmtes Stilmittel kurz nach dem Erfolg dieses speziellen Filmes reduziert wurde (gefühlt): Bruce Willis als Psychoklempner, der einem jungen dabei hilft mit seiner Gabe - „I see dead people!“ - umzugehen ist immer noch ein überaus lohnender Film.

045: Unbreakable: Der andere Bruce Willis Film vom gleichen Regisseur. Die Story, die hier erzählt wird, ist zwar in einigen Punkten durchaus mit The Sixth Sense vergleichbar, bediehnt sich in ihrer Ästhetik dann aber dem Versuch das Medium Comic mit seiner sehr Bildeigenen Darstellung in Filmerischen Aspekten Umzusetzen.

046: Pollok: Ich bin irgendwie immer wieder mal mit Spielfilmen, die die Biographien großer Künstler nachzuerzählen versuchten, in kontakt gekommen. Dieser hier spielt dabei sehr schön sowohl mit den Fakten, als auch mit den Fiktionen über das Aushängeschild des Abstrakten Expressionismus. (Nicht zuletzt die Szene, wie Pollok wieder mit dem Trinken angefangen haben soll – die nachweislich ein Mythos ist – wird hier sehr dramatisch aufbereitet und in Szene gesetzt.)

047: The Lion King: Hakuna Matata... oder „I can't wait to be King!“... irgendwie geht mir dieser spezielle Film, der auf einem afrikansichen Märchen letzten Endes basiert nie so ganz aus dem Kopf. Ich glaube wir alle haben irgendwann mal bei der einen oder anderen Szene ein Tränchen verdrückt (um nicht zu sagen: geheult wie ein Schlosshund) und gerade die Szenen auf dem Elefantenfriedhof oder die verfallene Steppe des geweihten Lande rund um den Königsfelsen nach Skars Machtsergreifung waren ein klein wenig gruselig. Jedenfalls ist das auch eine der Disney-Filme der guten, alten Zeichentrick-Schule, die ich immer wieder gerne aus dem Regal fische.

048: The Day of the Doctor: Zugegeben, hier schummle ich gerade ein wenig, weil The Day of the Doctor eigentlich kein Kino-Film war, sondern ein Abendfüllendes Spielfilm-Special fürs Fernsehen... aber es ist Doctor Who! Und auch wenn die katastrophale Fehlleistung, die für Tennand als Doctor typisch ist, auch hier wieder geradezu schmerzhaft hervorsticht, schaffen es Matt Smith und John Hurt in ihren jeweiligen Doctor-Inkarnationen letzten Endes genügend Leistung dagegenzuhalten, um das Tennand-Ding irgendwie noch auszugleichen. (Und am Ende gibt es 13 Tardii, die im Orbit um Gallifrey sehr komplizierte Berechnungen durchführen, welche über Jahrhunderte andauern. Eine Szene, die immer wieder zu diesem unglaublich begeistert-irren Grinsen führt.) Vielleicht nicht für Jedermann etwas, aber dennoch unglaublich sehenswert.

049: Dark City: Der andere Film, der auch Matrix hätte sein können. Ein haufen Menschen sind irgendwo im Weltall von einer Rasse von Aliens festgehalten und dazu verdammt immer wieder als eine andere Person aufzuwachen. Die zentrale Frage hierbei ist: Was macht einen Menschen zum Individuum? (Auch wenn nie geklärt wird, warum diese Aliens den ganzen Quatsch jetzt genau durchziehen.)

050: Wolf: Ich weiß nicht, ob ihr dieses Problem kennt. Aber zumindest ich habe bei der Unterscheidung zwischen Vampiren und Werwölfen, solange es um Filme geht, so meine Probleme, was den Werwolf-Film anbelangt. Das Ganze wirkt (zumindest auf mich) so unglaublich lächerlich. Dennoch hat gerade der Film „Wolf“ mit Jack Nicholson einen Charme, der den Werwölfen eine gewisse Würde verleiht. Gerade weil hier nicht das Monster gezeigt wird, das als lauthals Schreiende und den Mond anheulende Lachnummer durch die Wälder streift, sondern viel mehr der Augenblick ab der Infizierung bis zur Akzeptanz, in der ein sehr bewusst handelnder Nicholson sich letzten Endes von der Zivilisation verabschiedet.

051: Silent Hill: Ein weiterer Grund, warum ich Resident Evil nicht empfehlen kann, ist die Tatsache, dass es Silent Hill gibt. Dieser Film macht einfach deutlich mehr als Video-Spiel-Adaption fürs Kino richtig, als es die wandelnden Zombies rund um Heike Mackatsch jemals hätten tun können. Auch wenn Silent Hill mit dem Pyramid-Heads den Fehler macht, diese spezielle Figur vollkommen falsch einzusetzen. (Letzten Endes ist alles in Silent Hill auf einer Symbolischen Ebene von Bedeutung.) Trotzdem: Die Geschichte um eine Frau und ihre Adoptiv-Tochter, die einem bloßen Verdacht folgend nach Silent Hill reisen und dadurch dem Dämon der belebten Stadt letzten Endes in die Falle geraten ist unglaublich beklemmend. Aber: Es gilt natürlich auch noch der Umstand, dass Silent Hill hier natürlich kein Happy End aufweisen kann. Insgesamt macht dieser Film alles Richtig, was andere Spiele-Verfilmungen in den letzten Jahrzehnten verbockt haben. (Auch wenn ich dem einen oder anderen Beispiel dann doch etwas abgewinnen kann.)

053: Easy Rider: Das ist vermutlich der Road Movie schlechthin. Die Geschichte von zwei Motorrad-Fahrer, die auf dem Weg nach New Orleans zum Mardy Grass sind. Leider bekommt dieser Film nur ein negatives Ende mit, zeigt es doch, wie verbohrt manche Teile der USA seid jeher waren. Dennoch kommt hier vermutlich am besten das Lebensgefühld er 1960er noch einmal zum tragen.

054: Shadow of the Vampire: Ja, ich weiß: Vampir-Filme verfolgen mich irgendwie. Hierbei handelt es sich um eine Omage des bereits auf dieser Liste erwähnten „Nosferatu“ von Murnau. Die Geschichte, die hier erzählt wird, dreht sich um die Annahme das Max Schreck nicht nur ein verstörend guter Schauspieler für einen Vampir in einem Stummfilm währe, sondern das in diesem Film tatsächlich ein Vampir bis zum bitteren Ende auf Film festgehalten wurde. Murnau (gespielt von John Malkovich) wird in dieser Version als getriebener dargestellt, der von seiner Obsession, etwas einmaliges für die Nachwelt festzuhalten, jegliche Moral und den eigenen Verstand über Bord wirft.

055: Stephen Kings Es: Ich sage nur ein Wort: Pennywise

056: Peeping Tom: Weiter oben irgendwo steht Psycho bereits. „Augen der Angst“, wie Peeping Tom hierzulande hieß, hat mit Psycho eine Sache gemeinsam: Beide Filme sollten in den 80ern die Hauptinspirationsquelle für das Slashergenre werden. Allerdings zerstörte Peeping Tom die Karriere seines Regisseurs, Michael Powell, nachhaltig. Und das liegt vermutlich daran, dass der Täter in seinem Film von der Vorgehensweise und den Zielen her ein moralisch kaum begreifbares Konzept der Ästhetik verfolgte.

057: The Ring: Ich schwanke bei diesen Filmen immer zwischen dem Original und der Neuverfilmung für den US-Markt. Technisch hat zweitere außer westlichen Schauspielern allerdings kaum eine relevante Neuerung zu dem Ganzen gebracht. Allerdings muss man halt festhalten, dass die Geschichte eines rachsüchtigen Geistes, der dir 6 Tage lässt, bis du sterben wirst, außer du löst das Rätsel, wie sie sich selbst verständlich machen könnte. Und es ist dieser Moment, wenn Sadako aus dem Fernseher tritt und dieses gräßliche, vollkommen durchnässte „Ding“ über ihr nächstes Opfer herfällt, der einem Angst macht. Letzten Endes war es The Ring, egal welche Fassung man auch nimmt, der mich auf den Geschmack des asiatischen Suspension-Horrors gebracht hat.

058: Clockwork Orange: Wieder mal Kubrick. Diesmal geht es um den Film vom Höhenflug und Fall des Alex, der mit seiner Bande, des Droogs, eine Geschichte von Sinnlosen Gewalltaten vollführt, die absolut Grausam sind. Anschließend dafür ins Gefängnis geht, sich für ein spezielles Experiment hingiebt, und auf diesem Weg entgültig die Hölle auf Erden erlebt, weil ihm Zeitgleich mit der Fähigkeit zur Gewallt auch sein Sinn für Ästhetik in Form der Musik Beethovens genommen wird. Diese Geschichte besticht letzten Endes nicht nur durch die Inszenierung seitens der Schauspieler, sondern auch durch die sehr ungewöhnliche Kostümierung und den speziell für diesen Film entwickelten Jugendslang, den Alex und seine Bande nutzen.

059: eXistenZ: Dieser Film ist inmitten einer der großen Debatten rund um das Thema Videospiele und Eskapismus erschienen. Im Grunde genommen geht es die Ganze Zeit um Realitätsverlust. Dazu kommt eine Technologie, die sehr stark von Giger inspiriert zu sein scheint.

060: Die unendliche Geschichte: Was ich bis gerade eben nicht wusste, war, dass Wolfgang Petterson bei diesem Film auf dem Regiestuhl platz genommen hatte. (Für diejenigen, die mit dem Namen nichts anfangen können: Ein anderer Film von ihm, der in aller Munde ist, ist „Das Boot“.) Die Geschichte von Michael Ende um eine Welt die davon bedroht ist, vom Nichts verschluckt zu werden und bei der sich anschließend herausstellt, das diese Welt sich letzten Endes aus den Wünschen und Träumen der menschlichen Kinder speißt ist... unglaublich schön. Aber auf einer anderen Weise auch sehr konservativ. (Michael Endes Stoff in dem Bereich ist letzten Endes so etwas wie eine Hoffnungsvolle Meta-Omage an die Diskussion darüber, wie Medien die Phantasie abstumpfen... eine Diskussion, die bis Heute ja immer wieder mal auf die eine oder andere Weise hochkommt.) Trotz alledem: Fuchur, die Rennschnecke und die Steinbeißer... und nicht zu letzt der Gmork-Kopf in der Wand sind allesamt Figuren, die mir sehr ans Herzen gewachsen sind. Der Film ist so etwas wie das erste Gruselerlebniss für mich gewesen, ohne das dabei tatsächlich expliziet auf diese Ebene hingearbeitet wurde.

061: Vertigo: Wieder Hitchcock, diesmal von 1958. Dieser Film, der zeitgleich Namenspate für einen bestimmten Film-Effekt stand, der in dem Film das erste mal zum Einsatz kam, ist nochmal eines dieser hochinteressanten Projekte des Masters of Suspension. Die Story ist verhältnismässig einfach erzählt: Ein Mann, der unter Höhenangst leidet, beobachtet den Selbstmord einer Frau, die er kurz zuvor kennengelernt hat. Einige Zeit später lernt er eine andere Frau kennen und beginnt die Frau, die Selbstmord begangen hat, optisch nachzubauen. (Wie man diese Beschreibung jetzt interpretieren will, inklusive entsprechend krankhafter Romantikfantasien, die ja spätestens seid Twilight im Umlauf sind, bleibt jedem selbst überlassen.)

062: Chihiros Reise ins Zauberland: Dein Name ist deine Identität. Im Grunde stellt Chihiros Reise ins Zauberland eine Alice-Variante dar, mit der Disney im Jahr 2001 versuchte auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen, indem sie japanische Manpower des Anime-Studio Ghibli unterstützte. Letzten Endes hat der Film einige, sehr unterschiedliche Themen. Allerdings ist der vermutlich zentralste Geschichtsstrang die Frage nach der Identität, beziehungsweise die Frage, welche Macht Namen auf Personen haben.

063: Der blutige Pfad Gottes: Eigentlich wäre die ganze Geschichte doch sooo einfach. Zwei irische Brüder beginnen am St. Patrics Day eine gewalltige Schlägerei mit Schlägern der Russenmafia... und danach geht alles Bergab. Willem Defoe nimmt die Spur auf und entdeckt dabei den Umstand, dass er sich mit den Idealen der beiden Täter, die in erster Linie Selbstjustiz begehen, unglaublich identifizieren kann. Und dazu kommt es noch mit einem speziellen Familitengebet zu ein paar weiteren seltsamen Umständen. Lage Jahre waren die Boondock Saints auf dem Index gewesen und erst seid verhältnismäßig kurzer Zeit endlich wieder normal einsehbar. (Vorher war es halt eben nur ein Tip unter der Hand.)

064: Inglourious Basterds: Und wieder Tarantino. Hierbei geht es dann aber um den Film, der Tarantinoverse an sich erstmal erklärt. (Kurz für unwissende: Tarantinos Filme lassen sich im Grunde in drei Universen einteilen: Tarantino-Verse 1, welches so etwas wie eine Realität darstellt. Hier spielen Filme wie Pulp Fiction oder Reservoire Dogs. Tarantino-Verse 2 ist das Film-Universum. Kill Bill oder From Dusk Till Dawn sind Filme, die die Figuren aus Tarantino Verse 1 gerne im Kino sich ansehen. Tarantino Verse 3 ist letzten Endes nur mit Jackie Brown befüllt.)
Das besondere ist hierbei, dass Inglourious Basterds das Kriegsgeschehen kontrafaktisch wiedergiebt, weil (Spoiler) Hitler in einem brennenden Kino erschossen wird (/Spoiler). Durch diesen Umstand wird der Popkultur in Tarantino-Verse eine wesentlich größere Aufmerksamkeit als in unserer Realität geschenkt. (Und die Gewalltbereitschaft ist deutlich größer.)

065: Gremlins: Diese Horror-Komödie aus dem Jahr 1984 ist letzten Endes Trash pur. (Zumindest aus heutiger Sicht.) Zeitgleich ist sie aber noch ein wilder Mix unterschiedlicher Mythen, die zusammen eine etwas seltsame Collage ergeben. Aber: Letzten Endes überwiegt bei Gremlins der Namensgebende Mythos aus dem ersten Weltkrieg, der unter britischen Fliegerassen kursierte, wann immer sie mal wieder einen ihrer Jäger zu Bruch flogen. Von daher kann man in diesem Film einen Haufen kleiner Monster dabei zusehen, wie sie unglaublich viel Schabernack mit allerlei technischen Geräten betreiben und ihren Spaß dabei haben zuzusehen, wie alles vor die Hunde geht.

066: Die neun Pforten: Wenn wir schon bei übernatürlichem Schabernack sind. Die neun Pfortne ist eine lose Adaption des Romans „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte Gutiérrez. (Das Buch ist übrigens auch sehr Lesenswert.) Hierbei handelt es sich um den Film, der mich letzten Endes auf Johnny Depp aufmerksam gemacht hat. Das Ganze ist eine Schnipseljagd. Es geht um die Frage, welches Buch von drei übrigebliebenen Kopien das Original sein könnte. (Hierbei muss man hinzufügen: Die Texte sind allesamt okkulter Natur.) Am Ende wird der Buchjäger Dean Corso dazu gezwungen wieder und wieder von den Tatorten schrecklicher Morde zu fliehen, nur um festzustellen, dass er als Opferlamm für die Polizei diehnen sollte. Und alles Endet damit, dass Corso den letzten Hinweiß entschlüsselt und durch die neunte Pforte schreitet. (Anders als sein Autraggeber.)

067: Black Mass: Wisst ihr was? Bleiben wir erstmal bei depperten Filmen. Black Mass ist bislang die finsterste Rolle, die Johnny Depp gespielt hat. Er miehmt hier eine Art Mafioso, der im Boston der 1970er Jahre einen Packt mit dem FBI eingeht: Er kann seinen Geschäften nachgehen und hilft dem FBI dabei andere Mafia-Banden zur Strecke zu bringen. Das funktioniert aber auch nur so lange gut, bis ein neuer Staatsanwalt das Parket betritt. (Und zeitgleich beobachtet man „Whitey“ dabei, wie er eine Person nach der anderen umbringt/umbringen lässt.)

068: Donnie Darko: Man könnte den Film vermutlich am besten mit den Worten „Time Travel gone wrong“ zusammenfassen. Und hat damit dann noch längst nicht alles Gesagt. Aber im Grunde geht es um einen herabstürzenden Meteoriten, der an einer Stelle einschlägt, wo eigentlich die Titelfigur noch kurz vorher hätte sein müssen. Und um einen Mann in einem Hasenkostüm mit einer Maske aus Alufolie, der Donnie seitdem verfolgt und unverständliches Zeug einflüstert. Äußerst verstörend bis zum Schluß.

069: The Corpse Bride: Einer von Tim Burtons Animationsfilmen. (Und der Name Tim Burton ist hier wirklich Programm.) Es geht um einen jungen Mann, der nicht dazu in der Lage ist, einer Frau seine Liebe zu gestehen... und versehentlich bei Üben des entscheidenden Antrags eine Untote zum Ja-Sagen bringt. Was danach kommt ist ein Heilloses Chaos an verrücktheiten, bis es dann zu einem „Happy Endish“-Ende kommt.

070: Irgendwann in Mexico: Der Abschluß von Robert Rodrigues „El Mariachi“-Reihe. Im Grunde etwas seltsam, dass ich bei einer mehr oder weniger lose aufeinander aufbauenden Filmreihe nur den abschließende Teil wirklich empfehlen kann. Allerdings ist diese Neuinterpretation des klassischen Western-Genres (zumindest hat das Rudrigues selbst von den Filmen behauptet) letzten Endes der Film mit den für mich beeindruckensten Bildern gewesen.

071: L.A. Crash: Okay, kramen wir mal sowas ähnliches wie Arthaus raus. Der Film ist deswegen so interessant, weil er mit diesem Sprichwort „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ spielt. Letzten Endes geht es in der Geschichte um mehrere Auffahrunfälle und die Vorurteile, mit denen die einzelnen Figuren zu kämpfen haben, die in den jeweiligen Episoden, in denen dieser Film erzählt wird, handeln. In erster Linie ist mir der Film damals, als er mit dem Austin Film Critics Association Award ausgezeichnet wurde aufgefallen, weil Sandra Bullock mitgespielt hat. (Was zugegeben ein wenig in die Kathegorie „niederer Beweggründe“ fällt, aber ansonsten wäre mir damals ein wirklich interessanter und sehenswerter Film entgangen.)

072: E.T.: Das andere Alen, das irgendwie einen sehr hohen Einfluss auf meine Filmvorlieben hatte. (Und wenn ich mich jetzt gerade nicht schwer täusche, handelt es sich auf um den einzigen Stephen Spielberg-Film, der es durch diese Siebliste geschafft hat.) Mit D&D wird ein Spiel erwähnt, bei dem niemand gewinnt (aber auch keiner Verliert). Und außerdem gibt es die ikonischste Filmszene überhaupt hier, was das Fahrrad, das am Mond vorbeifliegt, anbelangt. Irgendwie weiß jeder, was damit gemeint ist, wenn mit dieser speziellen Szene gespielt wird.

073: Gone in 60 Seconds: Nicolas Cage versucht in dem Film dem kleinen Bruder aus der Patsche zu helfen. Dieser hat in allem Übermut einen Auftrag angenommen, in dem es darum geht eine Liste von 50 Fahrzeugen zu sammenzustehlen und hat diesen Auftrag dummerweise verkackt. Was jetzt und hier passiert ist daraufhin eine reihe von Aktionsequenzen und Verfolgungsjagten, in denen der eigentlich geläuterte Autodieb zusammen mit seiner alten Crew nochmal alles giebt, um den Auftrag zu erfüllen. (Inklusive einem Einhorn... aber den Insider versteht man erst nach dem Film.)

074: Erin Brockovich: Früher oder später musste vermutlich wenigstens ein Film mit Julia Roberts auf dieser Liste auftauchen. Also: Hierbei geht es um die Geschichte einer Anwaltshelferin, welche mit viel Herz und ungeheurem Einsatz einer ganzen Gemeinde dabei hilft nachzuweisen, dass sie Jahrelang von einem Konzern vergiftet wurde. Typisch für Robert-Filme gibt es hier so etwas ähnliches wie eine Art Happy End. (Obwohl das ganze Thema aufgrund des realen Hintergrundes natürlich sehr bitter ist.)

075: Lost Highway: Der Lynch-Film, den viele vermutlich als erstes kennengelernt haben dürften. (Und diejenigen, die nicht schreiend davon gerannt sind, haben danach Lynch-World erst so richtig betreten.) Die Geschichte, bei der nicht so ganz klar ist, ob sie in irgendeine Chronologische Reihe zu bringen ist, erzählt die Beziehung eines Mannes, der sich mehrfach im Wahrsten Sinne des Wortes verwandelt und zu jemand anderem Wird, der daraufhin grausame Taten vollführt. Und es geht um eine zerüttete Beziehung, die ein unschönes Ende nimmt. (Und mehr sage ich dazu nicht, außer das sich Lynch hier am Faust-Stoff inspiriert haben soll.)

076: Fluch der Karibik: Wieder mal so eine große Film-Reihe, wo der erste Film toll und die Nachfollger fragwürdig waren. Letzten Endes lebt es aber durch die ikonische Szene des im Hafen einparkenden Schiffes und der mehr als eigenwilligen Performance von Johnny Depp als Jack Sparrow. (Wie gesagt: Man nehme den ersten Film und ignoriere nach Möglichkeit alle Nachfolger.)

078: Der dritte Mann: Der Autor von billigen Western-Romanen, Holly Martins, sind sich im Wien der Nachkriegsjahre dazu gezwungen den Mord an einem Freund aufzuklären. Nur das er durch seine Aktivitäten immer tiefer in kriminelle Machenschaften unabsichtlich hineingerät und einzig den Hinweiß auf einen ominösen dritten Mann hat, der ihn weitermachen lässt. Der Film ist nicht zuletzt durch die Verfolgungsjagdt in der Wiener Kanalisation berüchtigt geworden.

079: Captain EO: Ich schummle nochmal, denn das hier ist ein Kurzfilm, der eigentlich eine 3D-Attraktion in den Disney-Parks war. (Nur gelegendlich kommt man glücklicherweise an Kopien der DVD ran.) Es geht um Michael Jackson, der in der Rolle des Captain Eos auf einer Welt abstürzt, die irgendwo zwischen H.R. Giger und den Borgs angelehnt ist. Einzig und allein mit der Aufgabe versehen den „Surpreme Leader“ zu heilen. (Was – achtung Klischee – nur über Musik möglich ist.) Ein hübscher kleiner Film mit starken Science Fiction-Elementen, der gegen Ende dann doch eher zu so etwas wie einem Märchen voller Magie wird.

080: Butterfly Effect: Ich komme gerade irgendwie von den Zeitreiseplotz nicht los, befürchte ich. In Butterfly Effect geht es um einen Typen, der mit Hilfe seiner Tagebücher in seinem eigenen Zeitstrang zurückreisen kann, um die Vergangenheit zu ändern. Das Problem dabei ist nur, dass er jedes mal mit den Folgen dieser Handlungen zu kämpfen hat, die sich jedes mal Grausam auf die Leute auswirken, die ihm nahe stehen. (Und irgendwie sorgt jede Lösung dafür, dass niemand am Ende glücklich ist.)

081: Sweeny Todd: Ich gebe ja zu, dass Tim Burton einer meiner Lieblingsregisseure ist. (Und damit auf einer Liste steht, die ich an einer Hand abzählen kann.) Sweeny Todd ist ein Grusical-Film. Sprich: Die Handlung wird größten Teils durch Gesang getragen, als durch reinen Dialog (auch wenn letzterer auch Teil einzelner Szenen ist.) Letzten Endes ist es eine dieser riesigen Rache-Epen: Ein junger Mann wird zu Unrecht am Mord seiner Frau vom eigentlichen Täter, der in einer höheren Position sich befindet, verurteilt. Jahre später kann der Mann aus dem Gefängnis fliehen und kann an den Ort seines früheren Lebens unerkannt zurück kehren. Als geschickter Barbier eröffnet er unter falschem Namen erneut sein altes Geschäfft, nur das er diesmal Rache an der Gesellschaft als solcher nimmt und den passenden Zeitpunkt abwartet, um an sein eigentliches Ziel zu gelangen. In der Zwischenzeit landen zahllose unschuldig/schuldige, männliche Bürger in den Fleischpasteten seiner Vermieterin, die sich dadurch eine goldene Nase verdiehnt.

082: The Crow: Das hier ist für mich als finsteres Märchen einer meiner Alltime-Favorites. Die Comicverfilmung um den Gitarrist Eric Draven, der von einer Krähe aus dem Reich der Toten zurückgeholt wird, um in der Teufelsnacht vor Halloween Rache an seinen Mördern vorzunehmen (die auch seine Verlobte umgebracht haben) besticht durch ihren sehr grafisch gehaltenen Stil. Es ist finster, brutal und zuweilen tieftraurig. Und leider auch der Film, der letzten Endes für den Tod des Hauptdarstellers, Brandon Lee, verantwortlich war, der bei den Dreharbeiten versehentlich erschossen wurde.

083: Inland Empire: Nochmal Lynch. Ich glaube damit sollte schon beinahe alles gesagt sein. Nur das es in diesem Film darum geht, wie eine Schauspielerin eine Rolle annimmt und sich Film und Realität immer mehr vermischen, bis man gar nicht mehr weiß, was jetzt Teil des Drehbuchs war und wann die Frau jetzt eigentlich wirklich den Verstand zu verlieren scheint.

084: Das Schweigen der Lämmer: Jody Foster, wie sie als Clarice Starling auf die Jagd nach dem Serienmörder Buffalo Bill geht. Zeitgleich ist es aber auch die Geschichte einer sich sehr langsam entwickelnden, fast schon elektrisierenden Beziehung zum Kannibalen Hannibal Lector, der mit unglaublich viel Charisma von niemand geringerem als Anthony Hopkins dargestellt wird. Nicht zuletzte die Frage Lekters am Ende des Films, ob die Lämmer endlich zum schweigen gekommen sind, lengt einem die Schauer über den Rücken. (Letzten Endes bemerkt man doch sehr gut, wie sehr dieses seltsame zusammenspiel darauf ausgelegt war, langfristig zu einer sehr verstörenden Romanze zu werden.)

085: The Conjuring: Die Story an sich ist eigentlich sehr, sehr alt. Es handelt sich hier um den mittlerweile fast schon übermäßig abgenutzten Spukhaus-Plott, der mittlerweile fast schon nur noch dadurch Variiert wurde, das Silent Hill eine besehlte Stadt wahr und die Eventu Horizon ein boshaftes, lebendes Raumschiff. Aber: Hier sind einige sehr interessante Trickarbeiten entwickelt worden, die mir vorher zumindest in dieser Weise noch nicht unter gekommen sind. (Beispielsweise die Szene mit dem sich loslösenden Bettlaken, dass dann kurzfristig die Formen eines Klischee-Gespenst animmt.) Wenn man also einen absoluten Neuling im Horror- und Gruselgenre vor sich hat, dann ist dieser spezielle Film die treffende Wahl für sein Sub-Genre.

086: Dead Man: Jim Jarmuschs Interpretation eines Anti-Western. Johnny Depp reist in den vermeitlichen Wilden Westen, um eine Rolle als Buchhalter anzunehmen, nur um zu erfahren, dass die Stelle in seiner Abwesenheit schon besetzt wurde. Durch einen dummen Zufall erschießt er den Sohn des mächtigsten Mannes der Stadt, wird auf der Flucht selbst tödlich verletzt. Aber durch seinen Namen „William Blake“ wird er von einem indianischen Einzelngänger, Nobody, für die Reinkarnation eines englischen Dichters gehalten, der ihn zum Meer bringen will, um ihn dort nach indianischer Sitte in einem Kajak richtung Jenseits zu schicken.

087: Die Fremde in dir: Noch einmal Jody Foster. Diesmal in der Rolle einer Frau, der der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Durch ein grausames Verbrechen der Liebe ihres Lebens beraupt kämpft sie mit seelischen Narben, welche sie nur durch den Kauf einer Waffe scheinbar kompensieren kann. Was danach folgt ist ein eher zufällig gestarteter Rachefeldzug, wobei sie immer mehr feststellt, dass sie sich von sich selbst distanziert und eine Fremde in sich entdeckt habe, welche in der Lage ist, die Taten zu begehen, welche sie verübt.

088: The Wishing Stairs: Nochmal ein Beispiel des asiatischen Suspension-Movies. Diesmal geht es um eine Schule, an der der Mythos kursiert, dass man beim erklimmen eine speziellen Treppe mit geschlossenen Augen eine sich plötzlich aufklappende 13 Stufe findet und einem dann ein Fuchsgeist den sehnlichsten Wunsch erfüllt. Als zwei fast schon schwesterliche Freundinnen allerdings um dieselbe Rolle in einem Ballet streiten, macht eine von beiden einen fatalen Fehler, sich die entsprechende Rolle zu wünschen. Das Ende vom Lied ist das die andere Querschnittsgelähmt sich in den Tod stürzt und eine weiteres Mädchen sich in den Wahnsinn der Wishingstairs stürzt und dabei den Bezug zur Relaität verliehrt... bis man selbst als Zuschauer nicht mehr weiß, ob nicht eventuell doch etwas übernatürliches im Spiel ist.

089: Das Kabinett des Doktor Parnassus: Ein Labyrinth der Spiegel, in denen jeder der eigenen Fantasy gegenübertritt, aber auch dem eigenen Laster. Und mehrere Wetten mit dem Teufel, die letzten Endes zu nichts gutem führen können. Letzten Endes ist das der letzte Film, an dem Heath Ledger mitgewirkt hatte. (Auch wenn man gerne meint, dass ihn die Rolle des Jokers das Leben gekostet habe.) Und die entscheidung, dass mehrere Schauspieler aus genau diesem Grund dieselbe Rolle spielten macht den Film zu einem sehr interessanten Erlebnis, auch wenn er an manchen Stellen seine Strecken hat.

090: Kill Bill 1&2: Der vierte Film des Quentin Tarantino. Man Vermutet schon länger, dass Kill Bill eigentlich die Verfilmung der Fernsehserie „Fox Force Five“ sei, die in Pulp Fiction erwähnt wurde. Und die Tatsache, dass die Braut von niemand geringerem als Uma Thurman gespielt wird, spricht ebenfalls dafür. Wenn man allerdings alles runter bricht handelt es sich hier um Tarantinos Interpretation des asiatischen Rachefilm-Genres, der darüber hinaus noch mit zig Insidern über das asiatische Kino gespickt wurde, bis alles wie ein Igel aussah.

091: Hide an Seek: Ich mag Robert de Niro eigentlich nur in sehr wenigen Rollen, die er dargestellt hat. (Ich weiß allerdings nicht woran das liegt. Irgendwie hat der Mann mMn ein unglaublich ungeschicktes Händche, was Rollen angeht, wenn man bedenkt, was er eigentlich für eine Ruhm für sich im Laufe der Jahrzehnte seiner Karriere verbucht hat.) Als Psychiater mit multipler Persönlichkeit, der sich selbst und seine Tochter Terrorisiert und dabei Unterstützung von Famke Janssen bekommt fand ich ihn aber richtig gut. (Auch wenn ich sagen muss, dass ich gerade die alternativen Enden deutlich spannender gefunden hätte, wenn sie tatsächlich teil des Plots gewesen wären.)

092: Der Knochenjäger: Angelina Jolie in ihrer Rolle als junge Polizistin, die ein unglaublich intuitives Talent für Spurensicherung entwickelt und dabei hilft einen Täter dingfest zu machen, der seine Opfer nach historischen Krminalromanen zu Tode kommen lässt hat etwas. Letzten Endes war das so ziemlich eine der letzten guten Rollen von Jolie, ehe es mit ihrer Karriere endgültig Bergab ging.

093: Die Schöne und das Biest: Und nochmal Disney. Diesmal geht es um die Geschichte mit dem Stockholm-Syndrom, welche am Ende ihr Happy End dann doch noch irgendwie findet. Der verückte, verzauberte Hasstand und ein paar wirklich atemberaubend durchgeführten Zeichentricktechniken haben diesen Film für mich zu einem der wenigen typischen Mädchenfilme von Disney gemacht, die ich persönlich nicht mit gemischten Gefühlen gelegentlich aus dem Regal hole, um sie mir nochmal anzusehen.

094: Momo: Nochmal eine Michael Ende-Verfilmung. Der Kampf Momos gegen die grauen Männer der Zeitsparkasse, wobei sie dabei aus der Ferne von Meister Hora, dem Verwalter der Zeit, unterstützt und von der Schildkröte Kassiopeia geleitet wird, ist einfach nur ein wunderschönes Märchen darüber, wie man sich letzten Endes nur sehr schwer aus den eigenen Sackgassen des Lebens wieder hinausbewegen kann.

095: Bitte würfele noch einmal.

096: Bitte würfele noch einmal.

097: Bitte würfele noch einmal.

098: Bitte würfele noch einmal.

099: Bitte würfele noch einmal.

100: Bitte würfele noch einmal.

Und nein, die letzten 6 Ergebnisse heißen nicht, dass ich keine 100 Filme kenne. Aber irgendwo beim durchgehen meines Filmschatzes ist mir aufgefallen, dass ich einen gewissen Anspruch am Ende dann doch aufrecht erhalten möchte, was den Standard in der Auswahl anbelangt. Und da musste ich dann doch deutlich stärker sieben, um ganz feinen Sand zu erzeugen. Und am Ende sind wesendlich mehr Filme dann doch durchgefallen. Eventuell gibt es zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal eine überarbeitete Liste, die dann nochmal anders aussehen könnte. Aber das werden wir sehen. Ich sehe jedenfalls weiterhin Filme und ich denke, das Gleiche werdet ihr wohl auch tun, oder?

Montag, 21. März 2016

Rezension: The Walking Dead 6: Dieses sorgenvolle Leben

Cover: Dieses Sorgenvolle Leben
The Walking Dead Band 06
Verlag: crosscult
Als ich mit den Rezensionen dieser Serie angefangen hatte, gab es kurzfristig eine Lücke, die ich jetzt endlich schließen kann. (Auf dieses Weise können wir dann auch endlich den Satz an Rezensionen rund um die Kult-Serie The Walking Dead komplettieren)

Also, noch einma zum Mitschreiben: Band 6 spielt noch in der Zeit Rund um den Aufenthalt innerhalb des Gefängnisses, das die Gruppe von Rick durch Zufall entdeckt hatte. Außerdem war im Band davor gerade Woodbury gefunden worden und der Gouverneur hatte sich Rick gegenüber als der sadistische Psychopath offenbahrt, der jede fremde Person an seine Hauszombies verfütterte, der er Habhaft werden konnte. In diesem Band jetzt wird mehr ein Blick auf eine Art von „Redneck“-Amerika geworfen. Letzten Endes basiert die Herrschaft des Gouverneurs auf Brot und Spielen. Und die Personen rund um ihn herum verrohen dabei zusehend. Das Beginnt damit, dass ein Mord direkt vor Ricks Augen durchgeführt wird, bei dem es darum ging, dass einer der beiden Gladiatoren in der Zombie-Arena es etwas zu Ernst mit seinem Gegner betrieben hatte und ihn mit einigen Schläge um dessen Zähne gebracht hatte. Zeitgleich entdeckt der Arzt der Siedlugn Woodbury aber sein Gewissen wieder und der Gouverneur schickt Michonne, nachdem er sie auf jede nur erdenkliche Weise entwürdigt hatte, in den Ring.
Die Folge daraus ist allerdings ein Eklat: Michonne begeht einen Mort und sorgt auf diese Weise für einen Eklat, bei dem nur zu offensichtlich wird, wie verzerrt das Weltbild dieses Amerikas ist. Blut soll es geben – die Gewallt wird sogar als Unterhaltung wahrgenommen. Das Massaker aber ist bereits wieder zu viel. Scheinbar sind sich die Einwohner Woodburys selbst noch nicht so ganz sicher, wie verroht sie wirklich sein wollen.
Auf der anderen Ebene entstehen aber auch hier wieder Verräter. Vertrauen wird verbraucht und bittere Rache genommen. Überhaupt ist dieser Band sehr stark von einer mehr oder weniger explizieten Darstellung von Rache- und Folter-Szenen getragen. Insgesamt ist das tragenden Element also der weitere Verfall, bei dem es darum geht, den Leuten die Maske vom Gesicht zu reißen und sie noch stärker ihren niedrigsten Instinkten folgen zu lassen. Das Thema des Sittenverfalls ist hierbei hochgradig kondensiert präsentiert und mehr als eine Person offenbahrt dabei, dass sie eine finstere Seite sich angezeigt hat.

Dieser Band ist trotz der langen Zeit die vergangen ist, seid ich diese Stelle der Geschichte der Serie gelesen habe, gerade immer noch sehr erfrischend zu lesen, weil er eher die Stärken dieser Geschichte rund um das eigene Überleben inmitten einer alles verschlingenden Katastrophe aufzeigt. Wichtig ist dabei, dass jeder seine eigene Agenda verfolgt und jeder Verrat einen besonderen Grund noch hatte. Leider konnte die Serie diesen Anspruch ja nicht bis zum derzeitgen Ende mit rüber retten.

Fazit

Insgesamt stellt der sechste Band einen sehr wichtigen Teil seines Storyabschnittes da. Immerhin wurden hier alle Weichen gestellt, die schließlich zum Sturm auf das Gefängnis und den dabei entstehenden Toden führen sollte. (Und am Ende zeigte es auf, dass Woodburys schlimmster Feind eigentlich in der eigenen Bevölkerung lag, die sich selbst noch einmal bewusst werden musste, wie sehr sie mittlerweile unter ihrem Führer verdorben war.) Das Ergebnis hierbei konnte man zwar letzten Endes nicht mehr so wirklich aufrecht erhalten, allerdings blieben die entscheidenden Elemente dann doch erhalten. (Und irgendwie merke ich erst jetzt, dass der Krieg gegen Negan so etwas wie das reinigende Gewitter wahr, was dieser Band als Notwendigkeit erst schuf.)
Und auch wenn sehr viele einzelne Szenen das Motiv der Rache dabei in den Vordergrund stellten: Es wirkt nie deplaziert. (Nur muss man sich immer klar sein, was man da eigentlich gerade liest, wenn es zu solchen Szenen kommt.) Alles in allem ein gut zu lesendes Intermezzo (gerade für mich mit der Vergangenheit), gerade weil ich mit den letzten Bänden eigentlich nur noch auf Kriegsfuß stehe.

Montag, 14. März 2016

Rezension: Maid. the Role-Playing Game

Cover: Maid. the Role-Playing Game
Verlag: Starline Publishing
Es war so 2008 herum, als in den deutschen Foren, in denen ich mich damals rumtrieb ein Thread aufmachte, der ein etwas ungewöhnliches Rollenspiel-Regelwerk bewarb. Mit „Maid. the Role-Playing Game“ hatte es das erste originär japanische Rollenspiel in den Fokus der westlichen Aufmerksamkeit geschafft. (Und natürlich war das geheule groß, dass ausgerechnet „Maid“ den Titel des Ersten für sich abstauben konnte. Ein Spiel um ein Thema, dass man bestenfalls als Fetisch bezeichnen konnte.) Also, genug dem realweltlichen Hintergrundgeplänkel, gehen wir in jure.

Maid ist ein über 206 Seiten umfassendes Softcover-Buch des amerikanischen A4-Äquivalents (bei dem mir immer noch keiner sagen konnte, wie das jetzt genau heißt.) Inhaltlich bekommen man nach einer kurzen Einführung über das Konzept des Rollenspiels, sowie einigen mehr oder weniger bekannten Anime- und Manga-Beispielen des Genres noch den Hinweiß was man hier spielt (das klassische Topoi der French-Maid) und auf welchen Würfeln man das Spiel aufgebaut hat. (gebraucht werden bis zu 3D6 unter normalen umständen, wobei die meiste Zeit innerhalb des Spieles wohl nur zwei Würfel dieser doch fast schon konservativ wirkenden Augenzahl wirklich gebraucht werden. Womit wir auch schon bei einem sehr zentralen Punkt dieses Spieles währen: Maid ist, um in westlichen begriffen zu bleiben, in seiner abgedrehtheit extremst oldschoolig. So ziemlich jeder Aspekt des Spieles wird über Zufallstabellen geregelt. (Und das geht bis zu Charaktererschaffung.) Man muss sich also im klaren sein, dass der Charakter den man hier spielt durch den Zufall bestimmt wird, weil es keinerlei Point-Buy-Optionen gibt.

Und wenn wir schon bei Charaktererschaffung sind: Als Attribute wird die Spieler-Maid über Athletics, Affection, Skill, Cunning, Luck und Will definiert. Dazu kommen noch weitere Zufallstabellen, welche die Type der Maid bestimmen, ihre Farben festlagen, ihr „Special Qualities“ verpassen (Das kann so etwas wie eine Brille sein, aber darunter fällt auch so etwas wie eine himmlische oder dämonische Herkunft oder weitere Absonderlichkeiten). Dazu kommen dann noch sachen wie der jeweilige Hintergrund der Maid, sowie das entsprechende Verhalten, um Stress abzubauen. Dann gibt es noch spezielle Fähigkeiten, die ebenfalls per Zufall ausgewählt werden. (Mit anderen Worten: das Spiel ist für sich dermaßen Absurd, dass es genau diesen Faktor bis ins letzte übersteigert darstellt.)
Begleitet wird das Ganze anhand von witzigen, die Regeln an praktischen Beispielen erklärenden Dialogen des Meisters kamiya, sowie seiner beiden Assistentinen, der schüchternen Sukkubus Hizumi und der kindischen, leicht perversen Yugami, deren erklärtes Hauptziel innerhalb dieser Dialoge es zu sein scheint, Hizumi die Unterhose zu stehlen.

Womit wir eigentlich auch schon bei den zentralen Mechanismen währen: Grundsätzlich wirft man einen W6, multipliziert das mit einem entsprechend passendem Attribut und hofft, dass man damit den notwendigen Schwierigkeitsgrad erreicht, den der Meister festlegt. (Wenn dies in einer Combat-Situation passiert, erlangt der unterlegene Spieler Stress in Höhe des Ergebnis des Überlegenen Spielers geteilt durch das Attribut, dass der unterlegene Spieler in der Situation eingesetzt hat.)
Ja: Es gibt einen mechanischen Augenblick, wo dieser Stress abgebaut wird. Und zwar durch reines Charakterspiel in Echtzeit.

Darüber hinaus gibt es noch den Favor-Mechanismus. Favor ist eine Art Gummipunkt, der es Spielern ermöglicht jenseits der üblichen, alltäglichen Hausarbeit, besondere Eingriffe ins Spiel zu nehmen. Favor erlangt man durch Interaktion mit dem Herrn des Hauses, dem Meister, der klassischerweise vom Meister der Rollenspielrunde, wie ihn andere Runden auch immer nennen mögen, dargestellt wird.

Das währe Maid im groben. In erweiternden Kapiteln werden darüber hinaus auch noch zusätzliche Kapitel für neue Charakterklassen, welche unter anderem Buttler, Robo-Maids und sogar den Hausherrn selbst zur Spielercharakterklasse machen, das Genre umdefinieren und das Haus, in welchem die Spieler-Maids ihren Dienst verrichten, mit besonderen Eigenschaften versehen. Darüber hinaus gibt es dann noch optionale Regeln für Romanzen, gebrochene Herzen und allerlei weiteres Drama, dass in den unterschiedlichsten Skalen in Form von Zufallstabellen das Spiel noch unübersichtlicher (und dadurch chaotischer werden lässt.)
Außerdem werden ein paar vorbereitete Startszenarios präsentiert, auf denen Anfänger aufbauen können und es gibt mitschriften von Spielsitzungen, die nicht von Hinzumi und/oder Yugami definiert werden.

Insofern muss man sich vor allem über eines klar sein: Vom Umfang her ist Maid. the Role-Playing Game ein übergroßer Batzen Zufallstabellen, der den Umfang eines Ausgewachsenen Rollenspiels für Kampagnen braucht, um ein One-Shot-System mit starken Comedy-Elementen zu präsentieren. Es bietet somit einen Werkzeugkasten mit einer ganzen Menge Möglichkeiten, mit denen auch Spieler ins Spiel eingreifen können, um die entsprechenden Elemente aus einem sehr spezifischen, klassichem Anime-Topoi abzubilden, dass sich durch die meisten Genres zieht. (Und ja. Das heißt, dass hier auch bestimmte Elemente mit Fußnoten angedeutet werden, die das noch recht harmlose Wort „Echi“ bei weitem überschreiten. Aber, und dem muss man sich dabei klar sein: Wenn der Himmel die Grenze ist, dann sind es die Mitspieler, welche diese Grenze ziehen. Man muss also schon mit seinem Mitspielern reden um feststellen zu können, ob man die ganz langen Tentakel auspacken darf.)

Fazit

Wer das große Heldenepos um die letzte Kreigsmaid sucht, welche in endlosen Schalchten auf der Suche nach einem Herrn durch die Lande zieht, ist hier fehl am Platz. Maid muss man sich ganz explizit als One-Shot-System für zwischendurch denken. Es gibt keine Charaktersteigerungen im klassischen Sinn, keine Erfahrngspunkte und nur entsprechende besondere Mechaniken, welche einem dabei helfen sollen und können, besondere zusätzliche, abstruse Momente für die Charakterinteraktion zu schaffen. Das dabei sehr viele Optionen in dem Spiel auftauchen, die fast schon Fate-Punkte-Mäßig den Spielern Möglichkeiten bieten um in den Plot irgendwie einzugreifen, macht es auf eine sehr seltsame Weise unglaublich Modern, wenn man bedenkt, wie unglaublich altbacken das eigentlich Grudfundament mit allen seinen Zufallstabellen doch eigentlich ist. Der Punkt bei der Sache ist, dass man hier wissen muss, auf was man sich einlässt und das hier nichts in irgendeiner Weise auch nur am Rande ernst sein kann.
Das kann unglaublich Spaß machen. Nur braucht man dafür die richtige Laufe, den passenden Zeitpunkt und dergleichen mehr. Im Grunde genommen haben wir hier das etwas zu schwer geratene, japanische Beispiel eine Bier-und-Brezel-Rollenspiels für zwischendurch, wenn man einen Abend fürs Rollenspiel hat, aber zu ausgebrannt ist, um die eigentliche Kampagne zu spielen. (Insofern macht es, wenn das Printprodukt nicht gerade im eigenen Regal vor Ort steht, sehr viel Sinn, sich das PDF dieses Rollenspiels zuzulegen, um es immer mit sich zu führen.)
Apropos PDF: Das ist ein Problem, dass zumindest die PDF-Version von 2008 betroffen hat: Das eigentlich ganz hübsche Cover des Rollenspiels ist nicht in der Datei enthalten. Von daher sollte man sich in dem Fall zumindest überlegen, was man genau haben möchte. (Und ob man einen weg weiß, um Notfalls am eigenen Rechner noch das Cover in das PDF reinzufriemeln.)

Donnerstag, 10. März 2016

Fire-Emblem: Das Soleil-Debakel

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal auf diesem Blog hier über ein Videospiel-Thema auslassen würde, aber ich bin da über ein Thema gestolpert, das mich jetzt eine ganze Zeit lang nachdenklich gestimmt hat und jetzt immer noch mit offenen Fragen zurücklässt.
Um es kurz zu machen: Aufmerksam wurde ich über ein Video des Youtubers Rainer Schauder auf einen Artikel der GamePro in dem es um eine wesentliche Änderung der westlichen Version des Video-Spieles Fire-Emblem: Fates geht, dass dieses Jahr herauskommen soll. (Und wenn man Google dazu anschmeist ist die entsprechende Debatte schon deutlich länger am laufen, als nur über diese beiden veröffentlichungen.) Außerdem, um meine Quellen noch halbwegs transparent zu halten, habe ich mir dieses Video angesehen, dass den Soleil-Storyarc wiedergibt. (Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass hier eventuell ein paar Szenen weggefallen sind, die nicht direkt über Dialoge funktionieren. Sollte ich also über irgendeinen Randdialog oder sonstigen Faktor bei der ganzen Angelegenheit aus unwissenheit gestolpert sein, wäre ich sehr dankbar bezüglich entsprechender Hinweise, die nicht nur aus ideologischem Gebasche bestehen.)
Also: Was kann man jenseits eines Anita Sarceesian-Vorwurfs der Objektivizierung des weiblichen Geschlechts zum lustgewinn männlicher, weißer, heterosexueller Jugendlicher aus der ganzen Geschichte ziehen?

Zum einen ist da dieses „kleine“ Problem, dass derzeit die amerikanischen Staaten in Form der Umerziehungslager für homosexuelle Jugendliche haben. Natürlich schwingt diese recht problematische Basis-Idee scheinbar Grundsätzlich im entsprechenden Storyarc mit. (Auch wenn der Umstand mit diesem speziellen, magischen Pulver dann letzten Endes doch anders Intendiert zu sein scheint.) Soleil wird das Pulver zwar intendiert heimlich verabreicht, aber eher um ihr zu helfen, nicht um sie zusätzlich zu verwirren. Zugegebenermaßen: Hierbei geht es nicht um einen gezielten Wandel des eigenen Empfindens. Nur um eine vorübergehende Veränderung der Wahrnehmung.  Männlich wird Weiblich, Weiblich wird Männlich.
Aber, um jetzt eine sexistische, wenn auch geschlechtsunabhängige Sichtweise ins Spiel zu bringen: Es geht dabei eher um einen „Aufreißkurs“ für das ansonsten scheinbar unbeholfene „Opfer“. (Opfer deswegen in Anfürhungszeichen, weil die Darstellung der westlichen Computerspielmedien in dem Bereich darauf hinausläuft, dass die Figur das hier angewendete Mittel kennt und aus eher wesentlich niedrigeren Beweggründen hintergangen wird.) Ich weiß, dass wir immer noch in einer Gesellschaft leben, in der Homosexualität und das Bekenntnis zu diesem Teil der eigenen Identität ein Problem darstellen. Allerdings, soweit ich die Story jetzt für mich erschließen konnte, stellt sich hier eine wesentlich anders fokussierte Frage in den Vordergrund: Kann man trotz einer eindeutigen Orientierung eventuell andere Eigenschaften an einem Menschen schätzen, die jenseits dieses Fokus liegen. Es ist natürlich etwas problematisch, dass für dieses Gedankenexperiment ausgerechnet ein homosexueller Charakter herhalten muss, aber letzten Endes lässt sich dieses Gedankenspiel in die andere Richtung, mit einem eigentlich heterosexuellen Charakter, der sich widererwarten in eine Person des eigenen Geschlechts verliebt noch schwieriger Vermitteln.

Auf der anderen Seite haben wir natürlich den Vorwurf des „unter Drogen setzens“. Und hier greift nochmal ein anderes Topoi ins Spiel hinein, dass wir in der einschlägigen Genre-Literatur wesentlich häufiger antreffen. Ich rede hier vom Liebestrank. (Und im verlängerten Denkweise dabei natürlich auch vom Liebeszauber.) Der Effekt dabei ist, dass die mit dem entsprechenden „Mittel“ „vergiftete“ Person tatsächlich zu einem willenlosem Lustobjekt einer anderen Person wird. (Allerdings gibt es in den refletierteren Varianten dieses speziellen Tropes sehr unterschiedliche Effekte, wie das Ziel festgehalten wird. Die bekannteste Parodie ist vermutlich der Moment, wo der Diener ausgerechnet in dem Moment den Raum betritt und die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zieht, in dem der Trank, der dazu führt, dass man sich in die erste Person verliebt, die man ansieht, zu wirken anfängt.) Tendenziell muss man daher sagen, dass gerade dieser Trope auch hier wieder anders zu bewerten ist. Streng betrachtet geht es hierbei um ein „Date-Rape“-Mittel. Allerdings um ein Mittel, dass Grundsätzlich von beiden Seiten eingesetzt werden kann. (Und je nach Hintergrund auch innerhalb der jeweiligen Medien auch wurde.) Man kann jetzt natürlich ausschließlich den Männern vorwerfen, dass sie Frauen zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse ausnutzen wollen. Aber wenn wir den Spieß dann umdrehen und dann feststellen, dass Frauen auf dem selben Weg Männer dann innerhalb der entsprechenden Fiktion sich unterwerfen kommt die Frage auch: Welche Form von Respekt herrscht hier bei den entsprechenden Geschlechtern überhaupt dem jeweils anderen Part gegenüber? (Zumal auch noch das bekannte Klischee existiert, das Frauen sich in Wunschprojektionen von Männern verlieben und die Realität an dieses Projektionen mit aller Macht anzupassen versuchen.)

Beide Sichtweisen passen in diesem speziellen Fall aber gerade eben nicht. Den einzigen Vorwurf, den man hier machen kann, ist tatsächlich der Umstand, dass man entgegen des Wissens der entsprechenden Person dieses Mittel einsetzt. Das war dann aber auch schon alles.
Das Problem mit dem ganzen Liebeszauber/-trank-Gedöns ist aber, dass dieses spezielle Topoi kaum auf seinen wesentlich sexistischeren Inhalt hin angekreidet wird, sondern deutlich positiver erachtet wird. (Wenn ich mein Rollenspiel-Regal mir so ansehen fällt mir unter den wenigen Kaufabenteuern in meinem Besitz direkt „Elisera“ aus dem 13 Mann-Verlag auf, dass dieses Mittel als möglichen Lösungsansatz sogar direkt von Haus aus mitbring.)

Stattdessen offenbart sich aus den Dialogen eher ein anderes Bild, dass scheinbar aufgrund der jeweiligen ideologischen Agenda vollkommen ignoriert wird. (Und das macht die Geschichte in gewisser Weise subversiv.)

Das Mittel tauscht die Wahrnehmung des Geschlechts der betroffenen Person aus. Sie sieht Männer als Frauen. (Und umgekehrt.) Und vor allen Dingen ist diese Wirkung nur vorübergehend. Der Nutzen ist laut Storyverlauf ein anderer und entscheidende Dialogoptionen treten laut Storyverlauf erst zu einem Zeitpunkt ein, an dem die Wirkung nachgelassen hat.
Und um den entscheidenden Satz noch zu vervollständigen: „ich habe mich in die weibliche Version von Dir verliebt, aber liebe dich jetzt als Mann“

Die Story wird komplexer. (Und ist gerade deswegen Misbrauchbar, wenn man die feinen Unterschiede, die darin liegen übersieht.) Nur scheint die Nachricht, die man aus dem Zusammenhang ziehen kann, weniger „Homosexualität ist heilbar!(einself)“ zu sein als viel mehr die Frage: Kann man über bestimmte Äußerlichkeiten hinwegsehen, und eine Person für ihre Stärken lieben?

Es ist daher eher als Schade zu bezeichnen, dass hier eine ungemein interessante Geschichte, die einen extrem ungewöhnliche Pointe aufweist, einfach nur sehr undifferenziert einzig und allein in eine einzige Leseweise einer sehr konkreten politischen Agenda hineingepresst wird und dabei von vornhereich übersehen wird, was nicht in diese spezifische Deutung hineinpasst. Was erzählt wird ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Interpretiert wird sie allerdings nach möglichkeit als eine Art DateRape-Geschichte. (Und da gibt es deutlich andere Geschichten, die in ihrer Machart deutlich gruseliger sind, welche irrigerweise dann sogar als besonders romantisch gedeutet werden.)
Irgendwie fehlt mir bei der ganzen Sache ein differenzierter Blickwinkel. Und das hat jetzt dafür gesorgt, dass hierzulande eine gänzlich andere Story erzählt wird, wenn die Geschichte überhaupt in der westlichen Version erzählt wird.